Australische Architektur

Wohnraum Moderne. Hrsg. von Claudia Perren und Kristien Ring. 240 Seiten mit 260 farbigen Abbildungen und 200 Plänen und Skizzen. Gebunden, 35 Euro, 59 sFr. Hatje Cantz, Ostfildern, 2007 Down Under. Von Davinia Jackson. 256 Seiten mit 100 SW- und 300 Farbabbildungen. Gebunden, 49,95 Euro, 84,90 sFr. Deutsche Verlags- Anstalt, München, 2007

~Dagmar Ruhnau

Vorweg gesagt: Kaufen Sie beide Bücher, und Sie haben einen hervorragenden Überblick über das Werk von 37 australischen Architekturbüros. Andererseits tut es auch eins. Letztendlich unterscheiden sich die Bücher nicht so sehr in der gezeigten Architektur, sondern eher in den theoretischen Ergänzungen. So geht es in »Wohnraum Moderne«, das zur gleichnamigen Ausstellung im Deutschen Architektur-Zentrum aufgelegt wurde, darum, die Kontinuität der modernen Architektur in Australien zu zeigen. Postmoderne und Dekonstruktion hätten hier kaum stattgefunden. Stattdessen sei die Moderne weiterentwickelt worden, der strenge Glaskubus von funktionaler Architektur abgelöst worden, die sich »der Natur«, also dem Ort, dem Klima und den Bedürfnissen der Bewohner verpflichtet fühlt.
Zum gleichen Schluss kommt auch Davinia Jackson, Professorin an der University of New South Wales, allerdings unter anderen Prämissen. Sie stellt 16 junge Büros vor (von denen sich vier auch im anderen Buch finden) und geht in ihrem Vorwort ausführlich auf die Arbeitsbedingungen dieser Architekten zwischen etwa 25 und 40 ein. Vielen Zwängen seien sie ausgesetzt, von Vorschriften zum nachhaltigen Bauen über kostenbewusste und anspruchsvolle Bauherren bis zu Hindernissen durch die Standesorganisation, die man dennoch nötig zum beruflichen Fortkommen braucht. Und trotz dieser Beschränkungen entwickelt sich eine selbstbewusste Architektengeneration, die sauber analysiert und den Konservativen erfolgreich die Stirn bietet. Und nebenbei noch Kluften zwischen Kulturen überwindet und den Planeten gesunden lässt.
Beide Bände warten mit fantastischen Fotos auf, die in ausreichender Menge eine einfache Orientierung in den Bauten ermöglichen. Daneben erzählt »Down Under« viel über dieArbeitsweisen und Philosophien der Büros und stellt mehr Projekte pro Büro vor. »Wohnraum Moderne« ordnet die gezeigten Bauten (exakt zwei je Büro) in sechs Kategorien wie »Rahmen« oder »Interaktion« und konzentriert sich im Begleittext auf die Beschreibung des jeweiligen Projekts. Minuspunkte gibt es für die unruhige Grafik in »Down Under« und für unleserliche Zeichnungen (!) in »Wohnraum«.