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Assemble

Wie wir bauen/How we build. Von Angelika Fitz und Katharina Ritter, Architekturzentrum Wien (Hrsg.). 160 S., 91 farb. Abb., broschiert, 29 Euro, Park Books, Zürich 2017

Es verwundert nicht, dass die neue Direktorin des Architekturzentrums Wien für ihre erste Ausstellung vergangenen Sommer das Londoner Kollektiv Assemble wählte – die übrigens zugleich die weltweit erste Schau über diese ungewöhnliche Gruppe aus Architekten, Künstlern und Handwerkern war. Das Anliegen von Angelika Fitz ist, der Öffentlichkeit, aber auch der Architektenschaft zu vermitteln, was Architektur »kann«: nämlich sich als handlungsfähig und wirkungsvoll zu erweisen. Assemble besteht aus Architekten, Künstlern und Handwerkern und wurde spätestens durch die Verleihung des Turner Prize bekannt (s. db 11/ 2015, S. 12). Diesen erhielten sie u. a. für ihre Arbeit in den Granby Four Streets, der Wiederherstellung von heruntergekommenen Reihenhäusern in Liverpool gemeinsam mit den Bewohnern. Daraus erwuchs gleich noch eine Werkstatt für die Herstellung von Baumaterialien. Die Verbindung von architektonischer mit sozialer, also auch politischer Wirksamkeit ist die Grundhaltung von Assemble. In Wien wurden zehn ihrer wunderbar pragmatisch-poetischen Projekte gezeigt, die im vorliegenden Ausstellungskatalog knapp und v. a. mit aussagekräftigen Bildern dokumentiert sind. Ergänzt und erweitert wird deren Darstellung um die Beschreibung eines Projekts, das die Architekten mit Studenten der TU Wien durchführten. Aufgabe war u. a., die jeweiligen ökonomischen, sozialen und politischen Umstände bei der Verwendung des in Wien vorherrschenden Baumaterials – Überraschung: Es ist Ziegel – zu analysieren. Das wiederum ist unterfüttert mit einem Interview mit dem Direktor des Wiener Ziegelmuseums und einer Betrachtung der unterschiedlichen Ausdrucksformen der Geschwisterbaustoffe Ziegel und Putz von primitiv bis herrschaftlich. In seiner Gesamtheit stellt der Katalog also eher einen handlichen Reader dar, der durch das Zusammenfügen (engl.: assemble) mehrerer Aspekte zur Reflexion über grundlegende Themen von Architektur und Gesellschaft anregt und zahlreiche Inspirationen zum »selbstermächtigten« und -ermächtigenden Bauen bietet. ~dr