Architektur. Vernichtung des Raums

Von Franz Erhard Walther. 209 Seiten, Format 14 x 20,7 cm, 144 schwarzweiße Abbildungen, broschiert,

18,90 Euro
Ritter Verlag, Klagenfurt und Wien, 2003
Merkwürdig fremd ist im Architekturdiskurs die Arbeit des Künstlers Franz Erhard Walther, hat er doch zwei Gebäude entworfen hat: die Kunsthalle Ritter in Klagenfurt und das Jugend- und Kulturgästehaus in Meppen. Verwundern muss dies vor allem angesichts der Bedeutung des Raums und der Raumwahrnehmung in Walthers Werk. In »Architektur. Vernichtung des Raums positioniert sich Walther als Künstler zu Kunst und Architektur – und zum Verhältnis zwischen beiden. Der deklamatorische Stil, oft in verkürzten Sätzen, in der Art eines Manifestes, ergänzt durch assoziative Satzfragmente, macht die Lektüre spröde, zwingt aber zu Stellungnahme.
Walther breitet eine Fülle von erstaunlichen Gedanken aus. Vor allem sind seine durch sein eigenes Werk gewonnenen Erfahrungen über die Verhältnisse zwischen Raum und Körper für das Nachdenken über Architektur fruchtbar. Dass der Raum immer erst durch die Handlung des Körpers im Raum entstehe, ist ein Verständnis von Architektur, das nicht das statische Bild sondern die lebendige Erfahrung zum Maßstab macht. Allein um diese Einsicht vor der Unterbewertung zu schützen, sollte Walthers Werk aufmerksamer studiert werden. Noch etwas zum Titel des Buchs: Er wendet sich gegen die Mittel, die nach Walthers Argumentation die Kraft der Architektur, Vorstellung und Imagination zu erzeugen, zerstören. Dazu gehört Architektur, die als Show inszeniert wird. Ebenso radikal wendet er sich gegen die Vorstellung von Architektur als Design: »Kunst ist existenziell. Design wenn es Erfolg haben will, darf das nicht sein.« Und ergänzt an anderer Stelle: Je mehr Designelement sich die Architektur einverleibe, desto weiter entferne sie sich von den Räumen. ch