Architektur im Zoo

Theorie und Geschichte einer Bautypologie. Von Natascha Meuser. 448 S., 750 Abb., Hardcover, 98 Euro, DOM Publishers, Berlin 2015

~Karl J. Habermann

Wie die Verfasserin und Herausgeberin Natascha Meuser richtig feststellt, liegt auf dem Sektor dieser durchaus wichtigen Planungsaufgabe wenig fundamentales Grundwissen vor. Im berühmten vielbändigen Handbuch der Architektur (1888-1943) sucht man es vergebens. Das Standardwerk der Bauentwurfslehre von Ernst Neufert handelt es auf mageren drei Seiten ab. Zwei Dissertationen aus den Jahren 1968 (Helmut Heinsdorff, Architekt) und 1999 (Achim Hofmann, Kunsthistoriker) haben wohl das Sammeln von einschlägigem Material erleichtert. Die typologische Vielfalt zu erfassen, entwicklungsgeschichtlich zu ordnen und den Versuch zu einer aktuellen Entwurfslehre zu wagen, das ist die Aufgabe, die sich Meuser in ihrer Arbeit gestellt hat. Sie gliedert die Geschichte des Zoos in fünf Phasen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts spricht sie von »Ausstellungsbauten im Kolonialstil«. Es folgen »gitterlose Bauten im Landschaftspanorama« verbunden mit der Person Carl Hagenbecks. Für die Zooarchitektur der dritten Generation findet die Autorin die Begriffe »Formalismus und Funktionalismus«. Die nächste Überschrift lautet »Verlandschaftlichung der Bauten und Einhausung der Natur«. Zur aktuellen Situation stellt sie eine »Markenbildung durch ikonografische Großbauten« fest. Den Kern des Werks stellen Dokumentationen historischer und zeitgenössischer Beispiele von Bauten für Elefanten, Primaten und Großkatzen dar. Ganzheitlich werden die jeweiligen Projekte in Plänen, Fotos und Texten vorgestellt. Darüber hinaus wird in einem zusätzlichen Begleitband mit Quellentexten die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Mensch und Tier nachvollzogen. Der Philosoph Richard David Precht hatte 1997 in »Der Zeit« über die neue Elefantenanlage im Zoo von Hannover die folgenden Anmerkungen gemacht: »Traurig und öde ist der Blick in die sorgsam versteckten Ställe der Phantasienatur. Enttäuschend unvollständig erscheint der Zoo ohne seine exotisch gestalteten Tierhäuser. Unwirkliche Sonderräume, die sie sind, fristen Zootierhäuser, kaum gewürdigt, ihr Dasein auf dem Hinterhof der Kunstgeschichte«. Vielleicht kann das vorliegende Werk hier notwendige Veränderungen anstoßen.