Architecture: Sculpture

Von Werner Sewing. 144 Seiten, 225 Abbildungen, davon 69 in Farbe. Gebunden, in Englisch. 59 Euro, 99 sFr. Prestel Verlag, München, 2004

Werner Sewing hat mit diesem Buch eine Lücke in der architekturtheoretischen Betrachtung der Moderne geschlossen. Ausgemacht hatte sie Jürgen Pahl zwar schon in seiner »Architekturtheorie des 20. Jahrhunderts« in der er die skulpturale Architektur als eine Strömung der Architekturmoderne benannte, ihr aber nur ein kleines Kapitel zubilligte. Werner Sewing nähert sich diesem Phänomen der modernen Architektur in seiner ganzen Spannbreite, indem er es als ein Produkt der Moderne darlegt und nicht als geniale Kopfgeburt weniger Protagonisten in der Architekturgeschichte mystifiziert. Erhabenheit skulpturaler Art braucht ein möglichst neutrales Umfeld, um ihre Wirkung zu entfalten. Sewings Herleitung der Ideengeschichte aus den Konzepten des englischen Landschaftsgarten und der französischen Revolutionsarchitektur ist deshalb auch gut nachzuvollziehen. Die Verwendung von Stahl und Stahlbeton für den Häuserbau ermöglichten, das Monumentale in der Architektur nicht nur durch eine besondere Größe oder axiale Bezüge, sondern auch allein durch eine ungewöhnliche Form entstehen zu lassen. Ein großes Bauvolumen oder ein solitärer Standort sind damit nicht mehr Grundbedingung für die skulpturale Wirkung eines Bauwerks. Was nicht heißt, dass auch ein schlichter Kubus keine Skulptur sein könnte. So gehört auch Aldo Rossis Friedhof in Modena in die Reihe der mit Bedacht ausgewählten und fundiert präsentierten Beispiele, deren Bogen er von Le Corbusier und Scharoun über Zaha Hadid und Peter Eisenman bis Santiago Calatrava und Herzog de Meuron spannt. Eine klare Darlegung der Theorie und die Reihe der schlüssig präsentierten Beispiele machen dieses Standardwerk in jeder Architekturbibliothek unentbehrlich. Olaf Bartels