African Modernism

The Architecture of Independence. Manuel Herz (Hrsg.). 640 S.,rund 1 000 größtenteils farbige Abb., gebunden, 68 Euro, Park Books, Zürich 2016

~Bernhard Schulz

In der Wahrnehmung der Architektur der nicht-westlichen Welt bildet Afrika weitgehend eine Fehlstelle. Das hat historische Gründe. Um 1960 wurden die Staaten der Subsahara in rascher Folge unabhängig. Die Architektur, gekennzeichnet durch ihren hybriden Ursprung, sollte den Ambitionen der neuen Staaten Ausdruck verleihen, sollte die erwünschte Modernisierung sichtbar darstellen. Entworfen wurde sie größtenteils von europäischen Architekten. Ein breit angelegtes Forschungsprojekt an der ETH Zürich hat sich fünf afrikanischer Staaten angenommen, fein austariert sowohl nach geografischer Verteilung in West-, Ost- und Südafrika als auch nach britischer beziehungsweise französischer Kolonialvergangenheit. Unter der Leitung von Manuel Herz ist mit den Fotografien von Iwan Baan und Alexia Webster daraus ein 640-seitiges Kompendium im Großformat entstanden, das Bauten in Senegal, Kenia, Sambia, Ghana und der Elfenbeinküste vorstellt. Stets handelt es sich um ehrgeizige Projekte wie Verwaltungsgebäude von Staatseinrichtungen, Konferenzzentren, Universitäten, aber auch um Luxushotels und Wohnhochhäuser. Beton als universelles Material machte diesen Bauboom der 60er und 70er Jahre zwar erst möglich, allerdings um den Preis der Missachtung von an die einheimische Architektur angepasster Bauweisen. Das Bemühen, den klimatischen Bedingungen gerecht zu werden, insbesondere der Hitze und der Feuchtigkeit, führte zu zahlreichen expressiven Details wie Dachüberständen oder feststehenden Sonnenblenden. Ein herausragendes Beispiel postkolonialer Gesamtplanung ist die ivorische Nominal-Hauptstadt Yamassoukro mit ihren zahlreichen Vorbildbauten. Dass viele der vorgestellten Gebäude heute nicht mehr angemessen genutzt werden, hat mit dem enormen Wachstum der Bevölkerung und der Wirtschaft zu tun. Fotostrecken vom Alltagsleben der porträtierten Länder und Städte sind nicht eine bloße Ergänzung des Buchs, sie ergeben überhaupt erst die Perspektive, aus der die Bauten zu sehen sind: immerhin, mehr Erfolg denn Scheitern.