40 Räume

Stuttgart. Von Kirsten Alda, Julia Stoffregen, Markus Brodbeck, Darius Ramazani. Etwa 200 Seiten und Farbabbildungen, Format 19 x 17 cm, 29 Euro. av edition, Ludwigsburg, 2004

Auf den Büchertischen liegen üppige Hochglanzbände, die uns weismachen wollen, dass die Interieurs aus London, Paris und New York angesagt sind. Und jedes Mal sind wir doch neugierig, welche Welten sich hinter den Fassaden und Türen und Toren der Städte auftun können. Voyeurismus ist das nicht wirklich, denn Inneneinrichtung kann schließlich auch eine Architektendisziplin und damit von öffentlichem Interesse sein. Und nun soll es sich lohnen, dieser Neugier ausgerechnet in Stuttgart nachzugeben? Es lohnte sich. Anders allerdings als im Buch über »Plattenbau« ließen sich die Stuttgarter Autoren und Fotografen von den Spuren des Professionellen leiten. Architekten und Inneneinrichter waren am Werk und richteten Läden, Friseursalons, Schulen, Büros, Kneipen, Kantinen – aber auch Wohnungen ein. Vierzig Einsichten in besondere Räume, die überraschen und staunen lassen. Dankenswerterweise gibt ein Piktogramm zwar Auskunft darüber, ob dieser oder jener Raum öffentlich zugänglich ist oder nicht, aber leider stehen die genauen Adressen nicht bei den kurzen Erläuterungen. Eines wird in diesem Buch überdeutlich: Ohne professionelle Fotografen kommt die Darstellung von Innenräumen nicht aus, und so stößt man auf Fotografen wie Ralph Richter, David Franck, Zooey Braun, Brigida Gonzales, Werner Huthmacher und viele andere. Vermieden wurde zum Glück die Unsitte der Publikumspresse, vor dem Fotografieren mit Blumen und Dekor zu verhübschen, was ansonsten Gefahr läuft, mit Kargheit und Leere den Durchschnittsleser zu verschrecken. Bleibt zu wünschen, dass in anderen Orten solche Bestandsaufnahmen folgen. ub