Zaha Hadid (London)

~Dagmar Ruhnau

Eine fünfmonatige Ausstellung – damit will das Design Museum wohl die jahrzehntelange Ignoranz des britischen Publikums gegenüber der Arbeit von Zaha Hadid wiedergutmachen. Der neue Museumsdirektor war jedenfalls sehr stolz, als er die Meisterin bei der Eröffnung vorstellte – er ist bekennender Fan. Für die erste Ausstellung auf der Insel, die Hadids Gesamtwerk zeigt, 35 Jahre nach ihrer Ankunft als Architekturstudentin in London und 30 Jahre nach ihren Anfängen als eigenständige Designerin, wurden zwei ganze Etagen reserviert. Der untere Raum, völlig in Schwarz gehalten, zeigt Architektur unter Spotlights: Modelle, Reliefs, Skizzen, handgemalte Plakate und in eine geschweißte Stahlkomposition umgesetzte Ideen. Während man sich, ähnlich der Protagonistin in ihren Anfangsjahren, von Projekt zu Projekt tastet, stößt man auch mal gegen eine ausgestellte Ecke des zentralen, natürlich keineswegs quaderförmigen Podests, auf dem Skizzenbücher und Zeichnungen aufgereiht sind. Zaha Hadids Büro hat selbstverständlich auch am Ausstellungsdesign mitgewirkt. Im Grundriss erinnert die Installation an die neueren Werke und belegt Hadids Äußerung, dass alles, was sie macht, demselben »ganzheitlichen« Entwurfsprozess unterworfen ist – ganz egal, ob es sich dabei um ein Objekt aus Beton oder Silber handelt.
Aus der Fülle eines Werks nur das Wesentliche herauszugreifen, fällt schwer. So wird manches auch nur angerissen; eine ganze Wand etwa ist einer Diashow gewidmet, die realisierte und geplante Projekte ohne weitere Erklärungen vorstellt. Ein dickes Buch zeigt Detailzeichungen des Phæno. Ob solche Elemente dem Publikum, das ausdrücklich auch Laien einschließen soll, bei der Lösung des Rätsels Zaha Hadid helfen, ist zweifelhaft.
Aus dem Schwarz der ersten Ebene geht es empor ins weiße Museums-Dachgeschoss, in dem Beiträge zu einem futuristischen Haushalt die Annäherung zwischen Hadids Formensprache und dem aktuellen Publikumsgeschmack beweisen: von den allerneuesten Sitzmöbeln und Tischen für Vitra, deren lackierte, weiße oder dunkel changierende Oberflächen den Besucher mental in ein Raumschiff katapultieren, über den möbiusbandartig geschwungenen, beständig die Farbe wechselnden »Kronleuchter« Vortexx (s. Abb.) bis hin zu älteren Exemplaren eckiger silberner Klinken und Kaffeekannen. Auch ein wasserstoffbetriebenes, dreirädriges Citymobil wird gezeigt, dessen Entwicklung aber gegenwärtig wohl nicht weiter verfolgt wird – man kann ja nicht alles gleichzeitig machen. Die Auftragslage ist so gut wie nie, Zaha Hadid als Marke weltweit gefragt. Dichtgedrängt stehen im letzten Teil der Ausstellung – mit Blick über die Themse auf Fosters Gurke – Modell an Modell, die bis 2010 realisiert werden sollen: Spanien, China, Dubai und ein Wanderpavillon für Chanel.
Bis 25. November. Design Museum, 28 Shad Thames, London, täglich 10–17.45 Uhr. www.designmuseum.org, www.designmuseum.org