Duitsland,_Berlijn,_17.9.2007_Deutschland,_Germany,_Berlin_Mitte._Bauzaun_mit_Transparent._"nothing_to_see_here".__Foto:_Erik-Jan_Ouwerkerk
Nothing to see here, Berlin, 2007, Foto © Erik-Jan Ouwerkerk
Ausstellung bis 22. November 2020

urbainable – stadthaltig. Positionen zur europäischen Stadt für das 21. Jahrhundert

Rezension: Ulf Meyer .

Wie wenig Wert der Mitgliedschaft in der deutschen Akademie der Künste – von den Mitgliedern selbst wohlgemerkt – beigemessen wird, zeigt eine neue Ausstellung in Berlin sehr deutlich: Die Akademie der Künste hatte ihre Mitglieder der Sektion Baukunst aufgefordert, Material für eine Ausstellung zusammenzutragen. Eine solche, mit Bordmitteln bestückte Ausstellung, könnte ja durchaus hoch interessant sein.

Zum Thema haben die Mitglieder die Verknüpfung zweier aktuell relevanter Themen gemacht: Die Zukunft der Stadt sowie Nachhaltigkeit. Aus diesen beiden Wörtern haben sie wiederum das titelgebende, recht unschöne Kunstwort »urbainable« geformt.

Nur die Hälfte der Mitglieder der AdK-Sektion Baukunst konnte sich überhaupt dazu aufraffen, einen Beitrag zur Schau zu leisten. Die drei prominentesten Mitglieder der Akademie im Bereich der Nachhaltigkeit, Norman Foster, Renzo Piano und Shigeru Ban haben sich gar nicht erst gemeldet. Auch jüngere Stimmen wie Francis Kéré, Patrik Schumacher oder Dietmar Feichtinger fehlen. Schade, dass Mitglieder, die etwas zu zeigen hätten, sich nicht an der Ausstellung beteiligt haben.

Da die AdK in erster Linie ein »Altherrenverein« ist, haben einige betagtere Mitglieder schlicht darauf zurückgegriffen, älteres Archivmaterial einzureichen: Thomas Herzog beispielsweise, ein hochverdienter Pionier des umweltfreundlichen Bauens, hat schlicht eine Tafel seines Design-Centers in Linz von 1993 beigesteuert. Ob das fast 30 Jahre alte Projekt zur heutigen Diskussion um Dichte in der modernen Großstadt etwas Substantielles beiträgt, müsste man genauer prüfen. Doch dazu kommt die Ausstellung leider nicht.

Andere AdK-Mitglieder haben sich zwar durchaus Mühe gegeben, eine Idee zu formulieren und zu präsentieren, doch die Aufmerksamkeit der meisten Besucher ist bereits ermattet, bevor man zu diesen Perlen vorstößt. Dabei ist das Thema durchaus drängend: Ob Städte Teil des Problems (der Klima-Erwärmung beispielsweise) oder Teil der Lösung sind, ist keine uninteressante Frage. Aber die Kernthese der Schau, dass Nachhaltigkeit nur noch auf der Ebene der Stadt und nicht des Einzelbauwerks zu erreichen ist, scheint angesichts der Corona-Pandemie wie aus einer anderen Zeit zu stammen und kommt entscheidende Jahre zu spät. Die 34 Mitglieder stellen »Projekte und Visionen« aus den Bereichen Architektur, Ingenieurwesen, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung vor. Diese tour d’horizon reicht vom Bauen im Bestand bis hin zu technischen Innovationen.

Mit urbainable beschließt Matthias Sauerbruch seinen Reigen von insgesamt vier Ausstellungen zum Thema Stadt, sichtlich ermattet von den ersten drei Großausstellungen und seiner Amtszeit als Leiter der Sektion Baukunst. Dass er die Mitglieder aufgerufen hat, seine letzte Ausstellung zu gestalten, um Energie zu sparen, ist schelmisch gedacht. Aber u. a. ums Energiesparen und Recycling geht es ja schließlich auch in der Schau.

Bis 22. November. urbainable – stadthaltig. Positionen zur europäischen Stadt für das 21. Jahrhundert. Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin, Di-So 11-19 Uhr, Ausstellungskatalog und Begleitprogramm.
www.adk.de