UNLAKECITY (Berlin)

~Oliver G. Hamm

Wo einst ein weites Tal mit Flüssen und fünf miteinander verbundenen Seen war, dehnt sich heute der mit über 20 Mio. Einwohnern größte Ballungsraum des amerikanischen Kontinents aus: Mexiko-Stadt ist ein wahrer Moloch, ein schier endloses Häusermeer mit hoher Bebauungsdichte, aber vergleichsweise geringer Bauhöhe, das – auf rund 2 300 m Höhe gelegen und von über 3 000 m hohen Bergen umgeben – v. a. am Verkehr und dem wesentlich dadurch verursachten Smog leidet. Die Ausstellung UNLAKECITY im Aedes Architecture Forum gibt einen Überblick, wie sich aus Tenochtitlan, der legendären Hauptstadt der Azteken, auf mehreren Inseln des Texcoco-Sees, der bereits von den spanischen Eroberern weitgehend trockengelegt wurde, die heutige Metropole entwickelt hat. Darüber hinaus wird veranschaulicht, mit welchen Mitteln der Raumplanung, des Wassermanagements und der Architektur versucht wird, die Lebensqualität in der Megacity zu steigern.
Im 18. Jahrhundert war die Seenkette im Mexiko-Tal noch größtenteils erhalten, doch schon im 19. Jahrhundert wurde sie in drei Teile zerstückelt. Heute ist sie bis auf winzige Reste verschwunden. Die urbane Entwicklung hat das schon zuvor existierende Problem von Überschwemmungen in Mexiko-Stadt eher noch verschärft, weil mit den Seen auch große Aufnahmekapazitäten für das manchmal sintflutartig hereinbrechende Wasser verschwanden. Nun soll das Rad der Geschichte ein Stück weit zurückgedreht werden, u. a. durch zahlreiche kleinteilige wasserwirtschaftliche Eingriffe, aber durch einige größere Projekte, wie etwa dem Wasserpark La Quebradora. Am Rand eines ehemaligen Sees, dessen Bett heute größtenteils vom Stadtteil Iztapalapa mit drei Mio. Einwohnern bedeckt ist, soll auf einer Fläche von rund vier Hektar ein öffentlicher Park mit großem Wasseranteil entstehen – geplant von lokalen Autoritäten und der Universidad Nacional Autónoma de México. Der Rio de la Piedad, der einst einer Stadtautobahn weichen musste und verrohrt wurde, soll nach Plänen von Taller 13 Arquitectos regeneriert und von begrünten Uferwegen eingefasst werden (s. Abb.links). Das Gelingen dieses Projekts hängt allerdings davon ab, dass ein neues Mobilitätskonzept greift, nach dem ein größerer Teil des Individualverkehrs durch öffentlichen Nahverkehr ersetzt werden soll.
Dass auch die Architektur einen Beitrag zur ökologischen Revitalisierung von Mexiko-Stadt beitragen kann, belegt das Projekt von TEN Arquitectos für das Nationale Technologie- und Energiemuseum (MUNET) mit seinen regenerativen Energiequellen und seiner Baustruktur, die in einen künstlichen Erdhügel integriert ist, der als Regenwasserspeicher dient und zudem als Park genutzt werden kann (s. Abb. unten). Der neue Flughafen von Foster and Partners + FREE (Fernando Romero), der bis 2020 am östlichen Stadtrand, auf dem trockenen Bett des Texcoco-Sees, errichtet werden soll, ist hinsichtlich der künftigen Stadtökologie sicher nicht unproblematisch. Doch der neue Flughafen eröffnet auch Chancen: für eine Umnutzung des derzeitigen 740 ha großen Flughafenareals als neue grüne Lunge und Wasserspeicher im Osten der Stadt. Die Ergebnisse eines Wettbewerbs von 2015 geben Anlass zu der Annahme, dass die Revitalisierung der Stadt gerade dort einen entscheidenden Impuls erhalten könnte.
Bis 21. März. UNLAKECITY. Geography and Architecture of Mexico City, Aedes Architekturforum, Christinenstraße 18+19, 10119 Berlin, Di-Fr 11-18.30, So+Mo 13-17 Uhr, Katalog 10 Euro, www.aedes-arc.de