Ulmer Modelle – Modelle nach Ulm (Berlin)

Sie war das Laboratorium der deutschen Nachkriegsmoderne, die Ulmer Hochschule für Gestaltung (HfG). Max Bill, Otl Aicher, Konrad Wachsmann, Rudolf Doernach, Alexander Kluge oder Max Bense waren ihre spiritus rectoris. Interdisziplinär, praxis- und problemorientiert war ihre Lehre, die als »ulmer modell« Schule machte und alle Bereiche von Gestaltung umfasste. Unzählige Designklassiker gingen aus der Arbeit ihrer »Entwicklungsgruppen« hervor: Die HfG setzte in den 15 Jahren ihres Bestehens von 1953 bis 1968 Maßstäbe.

Der Lehre und facettenreichen Wirkung der HfG ist nun diese Berliner Ausstellung des Ulmer Museums und HfG-Archivs gewidmet. In 15 Vitrinen, die mit jeweils einem Produkt der HfG für ein Jahr ihres Bestehens stehen, bleibt kaum ein Aspekt des »ulmer modells« unberücksichtigt. Große Fotowände zu den Produkten und zum Lehrbetrieb der Schule lassen den weit verzweigten Mikrokosmos der HfG wieder aufleben. Eine faszinierende Auswahl von Formstudien-Modellen, vornehmlich des ersten Grundlehrejahres, lädt zu sehr persönlichen Auseinandersetzungen mit den vielfältigen methodologischen Ansätzen ihrer Lehrer ein, die oft strukturalistisch und positivistisch das Problem der Formfindung zu ergründen suchten. Informative Statistiken und Filme runden die kurzweilige Informationspalette ab. Die Nachwirkung der Schule, der Teil »Modelle nach Ulm«, wird jedoch nur kursorisch abgehandelt. Ebenso bedauerlich empfindet man die geringe kritische Distanz zu den vielen Widersprüchen der Schule, ihrer Zerstrittenheit und ihrem heute kaum mehr nachvollziehbaren Positivismus. Claus Käpplinger
Bis 12. Juni. Kunstgewerbemuseum im Kulturforum, Potsdamer Platz, Di – So 10 – 18 Uhr, Katalog (Verlag Hatje-Cantz) 28 Euro