Stanley Kubrick (Frankfurt am Main)

Kubrick hat nur wenige Filme gedreht, aber oft die Herausforderung eines neuen Genres gesucht. Satire, Horror-, Historienfilm, Literaturverfilmung, Psychothriller, Kriegsfilm. Er war besessener Perfektionist, so musste nicht nur manche Szene zigmal wiederholt werden; es musste alles stimmen: Licht, Musik, Architektur, die Beziehung der Ästhetik zu Genre und Inhalt. Mehrere Monate hat Bernd Eichhorn das bislang nicht öffentlich zugängliche Material aus Kubricks Nachlass gesichtet, um die Exponate zu wählen, die das DAM mit dem Deutschen Filmmuseum zeigt. Das ergiebige Material ist in der Ausstellung dem jeweiligen Film zugeordnet. Zeichnungen und Modelle, etwa des War Room aus Dr. Seltsam von Ken Adam, des Labyrinths aus The Shining, die Dijnn Chairs von Olivier Morgue aus 2001, aufreizende Puppen aus Clockwork Orange, dazu Requisiten, Dokumentarfilme, Filmausschnitte: Die Ausstellung gewährt Einblicke in die Konzeption der Filme sowie die Regiearbeit selbst. Zeichnungen aus der Sammlung des DAM ergänzen die Exponate. Da wirken dann die gezeigten Stadtutopien aus den sechziger Jahren, etwa von Raimund Abraham, wie alternative Entwürfe für 2001. Im Gegensatz zu der in München gezeigten Schau über Tati (siehe db 4/04) öffnet sich in Frankfurt der Blick in die Innenwelt des Menschen, die im Film abgebildet wird. Gewalt, Leidenschaft, Lust, das Geheimnisvolle, das im Unbewussten liegt, sind die Themen, denen Kubrick nachging. Atmosphärische Installationen rufen die Erinnerung an die Filme in denen wach, die sie kennen. Doch Nachholbedarf kann gedeckt werden: Das die Ausstellung der beiden Häuser begleitende Filmprogramm enthält alle Filme Kubricks in der Originalfassung. ch

Bis 4. Juli, DAM und Deutsches Filmmuseum, Schaumainkai 41 u. 43; Di, Do, Fr, So 10 – 17 Uhr, Mi 10 – 20 Uhr, Sa 14 – 20 Uhr, Katalog 29,90 Euro. www.stanleykubrick.de