Stadt Land Fluss (Hannover)

~Hartmut Möller

Anlässlich des Projekts Gartenregion Hannover 2009, das sich um die Verknüpfung öffentlicher und privater Parks, Gärten und Landschaftsräume in den 21 Kommunen der Region bemüht, präsentiert das Sprengel Museum Natur- und Landschaftsfotografien von 1900 bis heute. Neu ist das Thema nicht, wie ausgewählte Werke aus der Sammlung Ann und Jürgen Wilde offenbaren. Fragile Detailaufnahmen von vereisten Spinnenweben des Typographen P. Zwart oder F. Henris filigran gezeichnete Fotos der antiken Ruinen des Forum Romanum verweisen auf eine zerbrechliche Vergänglichkeit. Düstere Landschaftsaufnahmen von A. Biermann formulieren Sehnsuchtsaspekte und Erfahrung von Gefährdung und Verlust. Von einem sachlich registrierenden Blick zeugen G. Krulls Blütenpracht im Inneren einer Pariser Bar (s. Abb.) und A. Gutschows Bauernhäuser mit ländlicher Erdverbundenheit. Beim längeren Betrachten der s/w-Aufnahmen zwischen Detail und Landschaftsausschnitten und der Überlagerung von Natur und Zivilisation wird der Pioniergeist der klassischen Moderne spürbar. Störend ist, dass der Ausstellungsraum als Durchgangszimmer von unbedachten Besuchern zur Abkürzung genutzt wird. Die Hängung verschiedener Werke desselben Künstlers über Eck – und durch Türen unterbrochen – ist unvorteilhaft. Der zweite Teil der Schau befindet sich leider örtlich abgelegen: Im Raum für Fotografie werden fünf zeitgenössische Positionen vorgestellt, die die Vernutzung von Landschaft durch menschliche Eingriffe in natürliche Wachstumsprozesse zeigen. Während bei M. Baumann banal erscheinende Ansichten abgenutzter Gebrauchsgegenstände scheinbar in Konkurrenz zum natürlich Gewachsenen stehen, verschmelzen bei H. Specker Natur und Architektur zu einer grafischen Komposition. S. Shore fotografiert Topografien des namen- und sensationslosen Alltäglichen; R. Adams dokumentiert eine durch zivilisatorische Eingriffe veränderte Landschaft. Der Einfluss beider Vertreter des »New Topographic Movement« auf H. Riebesehls Agrarlandschaften mit Getreidesilos, Bauernhöfen und bewirtschafteten Feldern ist unverkennbar.
Die von Inka Schube kuratierte Ausstellung zeigt zweifellos große Fotokunst. Das eingangs erhältliche Informationsblatt ist gerade für thematisch Unbeleckte überaus hilfreich und macht Lust, tiefer in die Materie der Landschaftsfotografie einzudringen. Kennern aus Norddeutschland sei zudem gesagt, dass dies die letzte Möglichkeit ist, Bilder aus der Sammlung Wilde zu sehen. Sie übergeben ihren gesamten Bestand anschließend der Pinakothek der Moderne in München.
Bis 10. Januar. Sprengel Museum Hannover, Kurt-Schwitters-Platz 1, Di 10-20, Mi-So 10-18 Uhr, www.sprengel-museum.de