»SPATIAL POSITIONS« (Basel)

~Ulf Meyer

Ist Architektur Kunst? Diese eigentlich einfach zu beantwortende Frage (ja, aber eine angewandte Auftragskunst) stellt derzeit eine Ausstellungsreihe mit sechs Teilen im Schweizerischen Architekturmuseum (S AM) in Basel. Arbeiten von zeitgenössischen Architekten und Künstlern »im Grenzbereich der architektonischen Disziplin« zeigen »subjektive Erkundungen jenseits des Trends zu einer globalen, kulturellen Homogenität« (Pressemitteilung). Die Kuratorin der Reihe, Elena Kossovskaja, möchte damit »den Architekturbegriff von einem rein funktionalen zu einem prozessualen Verständnis erweitern«. Auf die Frage »Wie verändert sich die Rolle des Architekten in einer überwiegend visuell geprägten Zeit?« sucht sie Antworten von Architekten, die keine großen Büros und kaum realisierte Bauten vorweisen können, sowie von Künstlern, die Raum und architektonische Form als Material für ihre Projekte verstehen. Das verkopft wirkende Ziel wird tatsächlich quicklebendig, sogar sinnlich umgesetzt: Im fünften Teil der Reihe beispielsweise wird unter dem Titel »The Land Workshop« (bis 22.9.) ein außergewöhnliches Bauprojekt in Thailand präsentiert: 20 km südwestlich von Chiang Mai soll eine autarke Lebensumwelt, die von Künstlern entwickelt wird, entstehen: Auf einem zugänglichen Reisfeld werden Unterkünfte, Küchen und Plattformen für Vorträge und Performances errichtet. Die in Frankfurt ansässigen Architekten Nikolaus Hirsch und Michel Müller planen Ateliers auf Parzellen von 13 x 35 m. Für jede Arbeitsphase werden unterschiedliche Partner, Werkstätten und Entwurfsverfasser ausgewählt. Nach Art des »cadavre exquis« ist das Resultat ein Gemeinschaftswerk, das sich aus Einzelbeiträgen zusammensetzt. Die Ausstellung im S AM stellt einen wichtigen Schritt in diesem Planungsprozesses dar, denn sie fungiert als Workshop, der der Realisierungsphase 2014 vorangeht.
Die Reihe zur Wechselwirkung zwischen Kunst und Architektur wird mit der sechsten und letzten Ausstellung mit dem Titel »Together« (29.9.-27.10.) abgeschlossen. Diese Film- bzw. Kunstinstallation zeigt das Werk der italienisch-brasilianischen Architektin Lina Bo Bardi. Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftswerk von Noemí Blager, Madelon Vriesendorp und Tapio Snellman und konzentriert sich auf die Nutzung von Bo Bardis Gebäuden. Durch eine Art »Nachstellung« wird es dem Besucher ermöglicht, ihre Gebäude im urbanen Kontext zu erleben. Die Ausstellungsgestaltung stammt von »Assemble«, einem Londoner Design- und Architekturkollektiv, und reflektiert Bo Bardis Vision von einer Architektur der sozialen Verantwortung.
Bis 27. Oktober. S AM, Steinenberg 7, CH-4001 Basel, Di, Mi, Fr 11-18, Do bis 20.30, Sa, So bis 17 Uhr, www.sam-basel.org