Schlechtes Omen?

~Nikolaus Bernau

Auguste Perret erregt immer wieder Interesse, weil sein Werk vom Wohnhaus über einige der faszinierendsten Kirchenbauten des 20. Jahrhunderts bis zur inzwischen von der UNESCO als Welterbe geführten Stadtanlage von Le Havre so ziemlich alle Planungsbelange umfasst. Und dann versuchte er auch noch, aus der architekturtheoretischen Tradition heraus den neuen Baumaterialien Beton und Stahl eine angemessene Form zu geben. Große Erwartungen also, wenn dieser Name mit dem eines anderen Großen, Rem Koolhaas nämlich, für eine Ausstellung in einem der Meisterwerke Perrets, dem Pariser Palais d’Iéna, kombiniert wird (noch bis 19. Februar). Zumal Koolhaas als Chefkurator der diesjährigen Architekturbiennale in Venedig für Furore sorgen soll.
Aber dann die Enttäuschung: Man steht in einer überaus konventionellen Architekturausstellung, die reine Formengeschichte schreibt. Acht Werke Perrets werden vorgeführt, praktisch ohne historische, soziologische, ästhetikgeschichtliche oder sonstige Einbindung. Warum sich Koolhaas für Perret interessiert, wird allerdings klar: Beide sind geradezu besessen von der Großform, die alle Probleme auf einen Schlag lösen soll. Und beide suchen nach dem allumfassenden Raster, mit demselben Ziel: die Aufgabe des Lebens zu lösen. Aber rechtfertigt das eine Ausstellung, die miserabel zu betrachten ist, weil auf Details wie Lesbarkeit der Texte keinerlei Rücksicht genommen wird, lautstark ein Film läuft, die wunderschönen Modelle aus Holz leider wesentliche Teile der Bauten auslassen, nur um die Idee einer angeblich durchgängigen Raster-Systematik nicht zu gefährden?
Wenn die Biennale-Ausstellungen in Venedig auch nur ansatzweise so elitär werden, derart Genie-kultig, derart historisch unreflektiert, derart unlustig, eine Geschichte zu erzählen, die auch Nicht-Architekten interessieren könnte, dann wird es endgültig Zeit, den Mythos Koolhaas zu debattieren.