_Villa_Stuck_-_Rudolf_Bott__'Enduro'_22._Februar_–_13._Mai_2018

Rudolf Bott (München)

Der Gold- und Silberschmied Rudolf Bott hatte, wie man seinem Lebenslauf entnehmen kann, großes Glück mit seinen Lehrmeistern. Nach einer Lehre als Juwelengoldschmied in Hanau empfing er prägende Eindrücke von Hermann Kunkler in Raesfeld, Heinz-Ulrich Bullermann in Hanau, Hermann Jünger an der Kunstakademie in München und Giampaolo Babetto in Arquà Petrarca. Nach dem Studienaufenthalt in Italien folgte der Einstieg in die Selbstständigkeit. Von nun an begleiteten zahlreiche Preise und Auszeichnungen seinen weiteren erfolgreichen Weg in der Praxis. Ein zweijähriger Ausflug in die Lehre an der Fachhochschule in Pforzheim erweiterte seinen Erfahrungsschatz. Neben Schmuck wird das »Gerät« zum Schwerpunkt seiner Arbeiten. Aufgaben im sakralen Bereich führen Schritt für Schritt wie selbstverständlich dazu, die Gestaltung des Raums mit zu übernehmen. Als besonders gelungene Arbeit ist hier die Altarzone in St. Nikolaus in Neuried bei München zu erwähnen. Rudolf Bott hat hierbei das Vertrauen des Architekten Andreas Meck mehr als erfüllt. Es entstand ein Gesamtkunstwerk der Gegenwart. Ein Begriff, der bei der im Folgenden zu beschreibenden Ausstellung eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Die umfassende Werkschau der Arbeiten in der Villa Stuck ist in den historischen Räumen zu sehen: im Empfangssalon, im Musiksalon, in Speisesaal und Rauchzimmer sowie im alten Atelier im OG. Unter den ca. 80 Objekten finden sich Schalen, Gefäße, Dosen, Leuchter, Kannen, Serviettenringe, ein Tisch und ein Schmuckobjekt. Den Arbeiten aus so unterschiedlichen Materialien wie Silber, Tombak, Bronze, Stahl, Jaspis, Hämatit und Bergkristall werden Papiermodelle gegenübergestellt, die Bott in der Regel im Vorfeld anfertigte. Die Künstlervilla Franz von Stucks erfüllt anerkanntermaßen die Merkmale eines Gesamtkunstwerks aus dem späten 19. Jahrhundert. Die Aufgabe, die sich Rudolf Bott selbst stellte, bestand nun darin seine eigene Vorstellung zu implementieren: das Experiment Gesamtkunstwerk im Gesamtkunstwerk. Auf raumgreifenden Großmöbeln mit Stuhl-, Bank- und Tischelementen gruppierte er seine Objekte wirkungsvoll. Das kompromisslose Festhalten an der eigenen Idee ist und bleibt ein Wagnis. Es hat sich im vorliegenden Falle gelohnt. Da beide Gestalter, Stuck wie Bott auf Augenhöhe agieren, gelingt die erstrebte »Inklusion«.
Wurden nicht beide Künstler gleichermaßen für ihre Arbeit geadelt? Franz von Stuck erhielt 1905 den Ritterschlag mit Erhebung in den Adelsrang vom Prinzregenten Luitpold. Rudolf Bott wurde 2017 in den »Olymp« der Bayerischen Akademie der Schönen Künste aufgenommen. Während der Besuch der Ausstellung uneingeschränkt empfohlen werden kann, ist zum Katalog dennoch Kritik anzumelden. Hier wurde aus der Sicht des Rezensenten das Stilmittel der minimalistischen Reduktion zu sehr bemüht. Optisch wie inhaltlich bleibt er ohne Aussagekraft und hinter der Ausstellung zurück: Jammerschade.

~Karl J. Habermann

Bis 13. Mai. Rudolf Bott. Enduro. Museum Villa Stuck, Prinzregentenstraße 60, 81675 München, Di-So 11-18 Uhr, Publikation: Konrad Bott, Rudolf Bott, Michael Buhrs und Tobias Haberl, Deutsch/Englisch, 45 Euro im Museumsshop, www.villastuck.de