Paul Schneider-Esleben (München)

~Mathias Remmele

Paul Schneider-Esleben hat im Lauf seiner mehr als sechs Jahrzehnte andauernden Tätigkeit als Architekt, Designer, Illustrator, Zeichner und Bildhauer ein ebenso umfangreiches wie vielfältiges Werk geschaffen. Das Architekturmuseum München, das den Nachlass aufbewahrt, nimmt jetzt seinen 100. Geburtstag zum Anlass für eine Retrospektive. Die Kuratorin Regine Heß hat dafür 25 Projekte von Schneider-Esleben ausgewählt, die in chronologischer Abfolge gezeigt werden. Der Schwerpunkt liegt bei den Arbeiten aus den 50er und 60er Jahren. Während Zeichnungen, Pläne, Modelle und historischen Fotografien die Genese und das ursprüngliche Aussehen der Gebäude dokumentieren, vermitteln Fotografien von Margret Hoppe Impressionen von ihrem heutigen Zustand.
Die Ausstellung beginnt mit den Bauten, mit denen sich der junge, kaum bekannte Schneider-Esleben Mitte der 50er Jahre quasi aus dem Nichts in die erste Liga der westdeutschen Architektur katapultierte: der Haniel-Hochgarage (1950-53) und dem Mannesmann-Hochhaus (1954-58) in Düsseldorf, die heute als Ikonen der Nachkriegsmoderne und als Symbolbauten für den wirtschaftlichen Aufschwung der jungen Bundesrepublik angesehen werden.
Die Garage, ein vierstöckiger Stahlbetonskelettbau mit auskragenden Geschossplatten und vollverglasten Fassaden ist durch ihre spektakulären, von den Dachträgern abgehängte Auf- und Abfahrtsrampen berühmt geworden. Der Mannesmann-Bau gilt als das erste in Stahlskelettbauweise errichtete Hochhaus Deutschlands. Mit seiner bautechnisch innovativen Rasterfassade aus vorgefertigten Aluminium-Paneelen präsentiert er zwar ein feines Stück Architektur, konzeptionell und gestalterisch aber folgt das Gebäude unübersehbar dem Vorbild Mies van der Rohes – auch wenn für seine Konstruktion statt der von Mies so geschätzten Doppel-T-Träger, Mannesmann-Stahlrohre verwendet wurden. Weitere wichtige Projekte aus den 50er und 60er Jahren – etwa die St-Rochus-Kirche und das Commerzbank-Hochhaus in Düsseldorf, das Ordenshaus der Jesuiten in München oder der Flughafen in Köln – zeigen, wie virtuos Schneider-Esleben neben der Mies-Schule auch andere Strömungen der Moderne rezipierte.
Von den 70er Jahren an begann sein Stern allmählich zu sinken. Bereits seine spätmoderne Beton-Architektur, für die etwa die Stadtsparkasse Wuppertal steht, besitzt – aus heutiger Perspektive – nicht mehr die Überzeugungskraft früherer Projekte. Sein halbherziger Flirt mit der Postmoderne und seine Adaption der High-Tech-Architektur konnte schon die Zeitgenossen nicht recht begeistern. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Die Ausstellung zeigt Paul Schneider-Esleben als einen vielseitigen und talentierten Gestalter, der feinfühlig auf die künstlerischen Strömungen seiner Zeit reagierte, Anregungen von Außen gekonnt aufnahm und oft eigenständig weiterführte. Vielleicht aber war es gerade diese virtuose stilistische Vielseitigkeit des Architekten, die der Herausbildung einer eigenen, erkennbaren Handschrift entgegenstand und verhinderte, dass er einen nachhaltig prägenden Einfluss auf die westdeutsche Architekturentwicklung ausübte.
Bis 18. Oktober. Paul Schneider-Esleben – Architekt. Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne, Barer Straße 40, 80333 München, Di-So 10-18, Do bis 20 Uhr. Katalog, Hatje Cantz Verlag, 208 S., 35 Euro, www.architekturmuseum.de