Ottokar Uhl (Wien)

Ottokar Uhl zählt zu der wichtigen Generation österreichischer Architekten, die ihre Prägung durch einen Emigranten erfahren haben. Peichl, Hollein, Kurrent, Uhl und viele andere pilgerten zu Konrad Wachsmann, der ab 1956 als Referent der Salzburger Sommerakademie aus den USA eingeflogen wurde. Uhls ersten Bauten ist die Prägung durch Wachsmanns Schule des industriellen Bauens deutlich anzusehen. Er experimentierte mit neuen Typen des Kirchenbaus. Das Bedürfnis nach Armut und Wahrhaftigkeit wurde von fortschrittlichen katholischen Kreisen formuliert und stieß in der nach Orientierung suchenden Wiener Architektenszene der Nachkriegszeit auf starkes Interesse. Uhl entwarf 1960 eine demontable Kirche, die ihm den wichtigen Staatspreis für Architektur einbrachte, ab 1964 realisierte er einen großen Kirchenbau in Form einer Stufenpyramide in Südkorea. Kurz darauf publizierte Uhl den ersten Führer zur modernen Architektur in Wien. Er hatte sich bereits mehrfach mit Artikeln zu Wort gemeldet und sollte dies auch beibehalten. Das AzW scheint sich mit der großen Ausstellung das Ziel gesetzt zu haben,Ottokar Uhl der gegenwärtigen Szene als theoriefreudigen Großvater zu empfehlen. Seine partizipativen Wohnbauten, die ab 1971 in Wien entstanden, nehmen viel Platz ein und sollen zeigen, dass Architektur mehr als gebaute Form ist. Uhl, der ab 1973 in Karlsruhe lehrte, hat die diskussionsfreudigen 70er Jahre mit Bravour überlebt, zog aus dieser Zeit der Mitbestimmungsdebatten aber seine Konsequenzen. Um Zeit zu sparen, ließ er in den 80er Jahren eine Software entwickeln, mit der sich die Bewohner ihre Wohnungen selbst konfigurieren konnten. Oliver Elser

Bis 13. Juni, Architekturzentrum Wien, Museumsplatz 1, täglich 10 – 19 Uhr, Mi 10 – 21 Uhr, Katalog (Verlag Anton Pustet) 29 Euro, www.azw.at