Mode Linie Architektur (Hannover)

~Peter Struck

Im Rahmen der großen Gemeinschaftsschau Hannover Goes Fashion überzeugen vor allem die »Nebenschauplätze«, wie die Architektenkammer Niedersachsen mit ihrer Ausstellung zur deutschen Mode- und Architekturfotografie beweist. Hier geht es weniger um Mode- architektur oder Architekturmoden, vielmehr um Modeinszenierungen mithilfe von Architektur. Im Blickpunkt der Ausstellung steht die Kommunikation zwischen den Formen der Kleidung und Architektur, das Verhältnis zwischen menschlichem Körper und architektonischem Raum. Die Ausstellung spannt einen Bogen von den stilisierten Posen der Vorkriegszeit über die optimistischen Gesten der Wirtschaftswunderjahre, die Op-Art-Experimente der Sechziger bis in die Gegenwart. Dabei verzahnen sich die Disziplinen von Architektur, Design, Mode und Fotografie zu Gesamtkunstwerken, die einen umfassenden Blick auf den Zeitgeist der jeweiligen Epoche ermöglichen.
Dieser Balanceakt zwischen Mode- und Architekturfotografie versteht sich als Experiment, will das gesamte Spektrum zwischen klassischer Modeinszenierung und dokumentarischer Architekturfotografie ausloten. Zuweilen dient die Architektur dabei als Folie und Staffage, meist aber ist sie ein subtil gewählter Ort, der sich besonders dazu eignet, die jeweilige Kollektion bestmöglich in Szene zu setzen. Einen solchen Rahmen für die Mode bieten etwa Hans Poelzigs I.G.-Farben-Haus, Ernst Mays Frankfurter Römerstadt oder der futuristische Bierpinsel in Berlin-Steglitz. Modeaufnahmen der DDR wurden dabei nicht grundsätzlich anders inszeniert – im Vergleich zu den westlichen Vorbildern haben sie jedoch etwas krampfhaft Weltmännisches.
In nur wenigen Fällen korrespondieren die Formen und Muster von Mode und Architektur miteinander wie bei der Aufnahme von Le Corbusiers Doppelhaus in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung von 1927: Das schlichte Reformkleid einer mondänen Dame, die vor dem Haus an einem Cabrio posiert, nimmt hier die geraden Linien der Architektur auf. In der Regel steht jedoch die Geometrie der Gebäude im bewussten Kontrast zu den fließenden Formen der Stoffe und Gewebe: So sucht Regina Relang die gezielte Konfrontation mit der stählernen Architektur von Kraftwerken oder exotischen Bauten wie dem Münchner Atomei (s. Abb.). Mit seinen surrealen Bademodebildern in der Wüste von Ägypten treibt F.C. Gundlach das Spiel mit den Extremen auf die Spitze, wenn dort die weichen Rundungen zweier Badekappen mit der kristallinen Klarheit der Cheopspyramide kollidieren.
Fast reine Architekturfotografie zeigen schließlich die großformatigen Arbeiten von Anja Schlamann. Als menschlicher Kleiderständer posiert sie selbst inmitten ihrer modernen Sakralräume, verharrt in strammer Haltung in trockengelegten Wasserspeichern, in Ausstellungs- und Fabrikhallen, die von jeglichem Interieur befreit sind. Ihr Körper nimmt dabei das Statische der Architektur auf, wird ein Teil von ihr. Hier ist der Bezug zum architektonischen Raum am überzeugendsten, hier wird der Maßstab deutlich zwischen Mensch und Bauwerk.
Bis 14. November. Niedersächsische Architektenkammer, Friedrichswall 5, Mo–Do 10–16, Fr 10–12 Uhr. www.aknds.de