Making Africa (Weil am Rhein)

~Hubertus Adam

54 Staaten, mehr als 2 000 Sprachen, 1 Mrd. Einwohner: Afrika ist ein Kontinent von extremer Heterogenität und großer kultureller Vielfalt. Gleichwohl ist Afrika im westlich-europäischen Bewusstsein marginalisiert und wird v. a. mit negativen Nachrichten assoziiert: Hunger, Seuchen, Armut, Korruption, Bürgerkrieg. Mit diesem Bild versucht die jüngste Ausstellung des Vitra Design Museums zu brechen: »Making Africa – A Continent of Contemporary Design« will ein stolzes, selbstbewusstes Afrika zeigen, einen Kontinent, der eigene Wege findet und geht.
Gerade angesichts fragwürdiger Ausstellungsprojekte der vergangenen Jahre – etwa »Afritechture« im Architekturmuseum München – muss man diesen Perspektivwechsel begrüßen. Aber was ist überhaupt afrikanisches Design? Amelie Klein, die verantwortliche Kuratorin, konzentriert sich, beraten von Okwui Enwezor, dem Direktor des Hauses der Kunst in München und diesjährigem Leiter der Kunstbiennale Venedig, anders als bei den meisten Ausstellungen des Vitra Design Museums nicht auf das Produktdesign, sondern weitet den Begriff extrem auf und zeigt ein Panorama aus Kunstinstallationen, Textildesign, Fotos, Typografie, Architektur, Film und virtuellen Auftritten. Das Spektrum reicht von der Homepage, auf der sexuelle Übergriffe in Ägypten kartografiert werden, bis hin zum Hocker aus recycelten Autoreifen. Viele der ausgestellten Positionen sind interessant, erhellend und hierzulande unbekannt. Das ist ohne Zweifel ein Verdienst des Konzepts. Allerdings wird kaum deutlich, welche Relevanz die einzelnen Positionen innerhalb des Gesamtkontexts des Designs in Afrika besitzen, wie repräsentativ sie also sind. Aber, man soll die Schau auch nicht als Überblick über afrikanisches Design im Allgemeinen verstehen; vielmehr ist es erklärtes Ziel, Afrika als eine Art Role Model für das 21. Jahrhundert zu positionieren: Design entstehe selten in großer Stückzahl, werde aber oft im Kollektiv gefertigt; es werde dezentral produziert, aber meist im urbanen Kontext; es orientiere sich eher am Prozess als am Ergebnis; es entstamme aus einer Maker-Kultur, wo Vorhandenes umgestaltet und Neues produziert werde; und es schlage eine Brücke zwischen digitaler Revolution und analoger Existenz. Der Kontinent sei die Zukunft, verkündet Okwui Enwezor, und verschweigt damit, dass die ungelöste postkoloniale Problematik auch weiterhin viele Staaten des Kontinents prägen wird. Zumindest zu überlegen ist, ob mit der Ausstellung nicht wieder ein externer Blick einen neuen Exotismus produziert, nun aber mit umgekehrten Vorzeichen. Aber es bleibt natürlich auch ein letztlich unmögliches Unterfangen, das Design eines ganzen Kontinents zu fokussieren. Und das ist das eigentliche Problem der Ausstellung, die ihrem eigenen Ziel gar nicht gerecht werden kann – und das zudem auf einer räumlich beschränkten Ausstellungsfläche wie der des Vitra Design Museums.
Bis 13. September. Making Africa – A Continent of Contemporary Design, Vitra Design Museum, Charles-Eames-Straße 2, 79576 Weil am Rhein, Mo-So, 10-18 Uhr. www.design-museum.de