Konstantin Grcic (Weil am Rhein)

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Eine Ausstellung über Konstantin Grcic kuratiert von Konstantin Grcic? Zunächst ist man etwas irritiert und mag den zu erwartenden Erkenntnisgewinn als eher gering einschätzen. Doch nein, so ist es nicht, die Ausstellung am Vitra Design Museum zeigt zwar Werke und Entwürfe des Designers und gibt Einblicke in seine Art zu arbeiten, doch erhält sie einen Überbau durch übergeordnete Fragestellungen, denen der Designer Grcic nachgeht. Fragen nach der gesellschaftlichen und künstlerischen Relevanz von Design, nach Lebensqualität in der technisierten Welt, nach dem Leben, Wohnen und Arbeiten der Zukunft. Doch geschickter Weise gibt Grcic keine konkreten Antworten, zeigt keine konkreten Lösungsvorschläge auf, sondern steckt lediglich einen kreativen Rahmen ab, bietet Raum, macht Angebote, eröffnet eine Denk-Bühne. Und anders als viele seiner Vorgänger entwickelt er keine, die Vergangenheit und Gegenwart ignorierenden Utopien, sondern geht davon aus, dass vieles aus unserem gewohnten Umfeld einschließlich verschiedener Dinge, Produkte und Erfindungen Bestand haben wird. Einiges wird sich sicher radikal verändern, anderes bleibt erhalten, wieder anderes wird sich kontinuierlich weiterentwickeln, doch wer weiß das schon genau?
Die einzelnen Themen-Sektionen, in die die Schau gegliedert ist, ranken sich um Objekte von Konstantin Grcic. So ist z. B. der erste Bereich »Life Space«, der das experimentelle Wohnumfeld darstellt, u. a. mit der Liege »Karbon« (2008) und der Leuchte »OK« (2013) »möbliert«; ergänzt wird die Szenerie durch Alltagsdinge wie einen Orientteppich, sodass das Interieur insgesamt seltsam vertraut wirkt. In Raum zwei »Work Space« findet sich der Besucher in einem Designatelier inmitten von Entwürfen und Prototypen des Designers wieder; James-Bond-mäßig ist es wie in den Fels geschlagen, ein Geheimlabor zu dem Unbefugte keinen Zutritt haben. Über dem Raum schwebt die bohrende Frage: Welche Rolle der Designer heute noch einnimmt und ob er zum Handlanger einer post-industriellen Mediengesellschaft wird. Auch hierauf gibt Grcic keine einfache Antwort, sondern zwingt einen dazu, sich selber mit dem Thema auseinanderzusetzen. Der dritte Ausstellungsbereich wird von einem gewaltigen, raumhohen Rundbild hinter einem hohen Maschendrahtzaun eingefasst. Entstanden ist es in Zusammenarbeit mit Neil Campbell Ross, der als »concept artist« digitale Kulissen für große Filmproduktionen animiert. Das Bild ist ein Panorama unserer Zeit. Es zeigt städtische Visionen, Landschaften, Industriebrachen, Verkehrsströme und merkwürdige Science-Fiction-Konstrukte. Unterstützt wird die Wirkung durch einen Klangteppich aus Stadtlärm und Musikfetzen. Im Raum stehen einige Außen-Möbel, darunter »Landen« (2007) und mehrere »Chair One« (2004) mit Betonsockel. Im letzten Raum »Object Space« landet der Besucher schließlich wieder im Hier und Jetzt. Grcic richtet den Blick auf das, was ihn täglich beschäftigt: die Arbeit am Entwurf neuer Objekte. Vergleichsweise konventionell, dem Thema des Raums absolut angemessen, werden die Dinge hier in einer langen, wandbegleitenden Vitrine präsentiert. Viele überraschende Fundstücke, die Grcic als Inspirationsquelle dienen, gibt es dort hinter Glas zu entdecken, sodass man selbst mit vielen Anregungen, Denkanstößen und Fragen und nur wenigen Antworten die Ausstellung verlässt.
Bis 14. September. Konstantin Grcic – Panorama, Vitra Design Museum, Charles-Eames-Straße 2, 79576 Weil am Rhein, Mo-So 10-18 Uhr, www.design-museum.de