Kisho Kurokawa (Frankfurt am Main)

Er zählt unbestritten zu den ganz großen Persönlichkeiten der Architektur: Der 71 jährige Kisho Kurokawa wird in Frankfurt mit einer Ausstellung von sorgfältig gewählten Arbeiten der letzten 44 Jahre vorgestellt. Kurokawa war im wörtlichen Sinne Avantgardist: Als Mitbegründer der Metabolisten entwarf er in den sechziger Jahren bereits an biologischen Formen (etwa der Doppelhelix) orientierte Konzepte für Städte und Gebäude, lange bevor Ähnliches als Biomorphismus populär wurde. Der Metabolismus formulierte ein zyklische Idee von Architektur und Stadt, bevor von Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit Architektur die Rede war. Und auch seine Vorstellung einer dezentralen Stadt nimmt die Entwicklung der Städte des ausgehenden 20. Jahrhunderts vorweg. In der Ausstellung stehen die anschaulich in Texten, Fotos, Modellen und Plänen gezeigten mehr als zwanzig Projekte im Vordergrund – von den utopischen Planungen für Tokio von 1961 über den Kapselturm in Nakagin bis zu den zwei Stadien, die für die WM 2004 errichtet wurden. Ausführlich mit Plänen bis zum Maßstab 1:1 werden zwei derzeit im Bau befindliche Projekte vorgestellt, darunter das Nationale Kunstzentrum in Tokio. Die Beziehung zu Kurokawas einflussreichem theoretischem Denken stellt der Katalog her, der leider in der Projektauswahl nur teilweise mit der Ausstellung übereinstimmt, vor allem aber eine weitere Publikation, die zur Ausstellung erscheinen ist: Kurokawas Buch »Kioshei no Shiso« von 1987, für das er den Großen Preis der japanischen Literatur bekam, ist zur Ausstellung nun endlich auf Deutsch erschienen. (Das Kurokawa-Manifest, Jovis Verlag). Christian Holl

Kisho Kurokawa – Metabolismus und Symbiose. Bis 19. Juni, DAM, Schaumainkai 43, Di, Do – So 11 – 18 Uhr, Mi 11 – 20. Katalog (Jovis Verlag) 29,80 Euro