Ken Adam’s Film Design (Berlin)

~Hartmut Möller

Das Berliner Filmmuseum würdigt den Bühnenbildner Ken Adam mit einer faszinierenden Hommage. Deren Titel »Bigger Than Life« orientiert sich an Adams Philosophie, denn die Darstellung der schnöden Realität war seine Sache nicht. Ein im Foyer schwebendes 1:1-Modell des Laser-Satelliten aus »Diamantenfieber« dürfte als Auftakt nicht nur die Herzen von Filmfans höher schlagen lassen. Das Eröffnungskabinett wirkt fast wie eine vorweggenommene Zusammenfassung seines Œuvres. Zeichnungen, Fotos, Interviewfilme und Auszeichnungen drängen sich in Petersburger Hängung, Skizzenbücher enthalten etliche Storyboards und Notizen. Ein überdimensionaler, von der Decke hängender Flo-Master – Adams bevorzugtes Werkzeug – leitet in den nächsten Raum, in dem sich die wundervolle Medieninstallation »Lines in Flow« befindet. Sie vermittelt die Arbeit des Production Designers anhand des Entstehungsprozesses zum legendären »War Room« aus Stanley Kubricks »Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben«. Der 93-jährige Ken Adam sitzt scribbelnd und Zigarre rauchend am Zeichentisch. Über ihm entsteht in den Rauchschwaden (parallel zum Quietschen des Filzstifts) sukzessive mittels Animation im Invertierungsverfahren das zu Papier gebrachte Werk. Dank Projektion auf einen frei im Raum gespannten, schwarzen aber transluzenten Stoff, wirkt die Szenerie geradezu real. Wer sich die Zeit nimmt, kann hier der Entwicklung des Setdesigns bis zur fertigen Filmsequenz beiwohnen.
Der zweite Teil widmet sich den spektakulär entworfenen Verliesen, Laboren, Luxusunterkünften, Kathedralen und Gadgets, die ihrer Zeit weit voraus waren. Auf abgeschrägten Wänden im starken Schwarz-Weiß-Kontrast ziehen die rasanten Perspektiven den Besucher in ihren Bann. Ergänzt werden sie von Filmausschnitten, Szenenfotos und Angaben zu Inspirationsquellen. Eigens für die Ausstellung gebaute Modelle auf Kopfhöhe erlauben ein dreidimensionales Eintauchen in die Welt des Visionärs. An Fachsimpelei unter den Gästen sollte man sich indes nicht stören – die über 70 Filme, an denen Ken Adam mitgewirkt hat, haben sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. Darunter etliche Entwürfe für James-Bond-Produktionen wie z. B. »Blofeld’s Volcano Lair« (s. Abb.) aus »You Only Live Twice« von 1967.
Die nächste Station beleuchtet auf sehr persönliche Weise seine schillernde Geschichte. Der in einer gutbürgerlichen Berliner Familie als Klaus Hugo Adam aufgewachsene Ken Adam wurde früh mit dem Expressionismus konfrontiert, ebenso wie mit Arbeiten von Erich Mendelsohn, Mies van der Rohe oder Peter Behrens. Nach der Flucht vor den Nazis 1934 studierte er in London Architektur, war Jagdflieger in der britischen Luftwaffe, kam in den 50er Jahren zum Film und begründete dort seine Weltkarriere. Das letzte Kapitel untersucht Adams Rezeption auf zeitgenössische Planer wie Daniel Libeskind, Santiago Calatrava und Norman Foster.
Die Kuratoren Boris Hars-Tschachotin, Kristina Jaspers und Peter Mänz konnten für die Präsentation aus dem Vollen schöpfen. Im Jahr 2012 hatte Ken Adam sein privates Archiv der Deutschen Kinemathek überlassen. Der umfangreiche Nachlass wird gerade digitalisiert, um jederzeit online abrufbar zu sein. Allerdings kann der virtuelle Auftritt die Magie des einfallsreichen Tüftlers online nur begrenzt greifbar wiedergeben, sodass sich ein Besuch der opulenten Schau unbedingt empfiehlt.
Bis 17. Mai. Bigger Than Life. Ken Adam’s Film Design. Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Potsdamer Straße 2, 10785 Berlin, Di-So 10-18, Do bis 20 Uhr, www.deutsche-kinemathek.de