Joan Miró (Frankfurt a. M.)

~Franziska Puhan-Schulz

Die Schirn Kunsthalle präsentiert – anlässlich ihres 30-jährigen Jubiläums – einen bislang wenig diskutierten Aspekt aus dem Œuvre des bekannten Katalanen Joan Miró (1893-1983): große Formate und seine Faszination für die Wand. Entgegen flächiger Reproduktionen auf Postern wird in der konzentrierten Einzelausstellung die besondere physische und haptische Qualität seiner zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit changierenden Werke erfahrbar. Als Bildgrund nutzte er, neben weißgrundierten Leinwänden, die bräunliche Note von Jute, Faserplatten, Sandpapier und Teerpappe. Über diese Besonderheit äußert die Kuratorin der Ausstellung Simonetta Fraquelli: »Die Wand war für ihn nicht nur ein Objekt, das er abbildete; ihre Materialität war entscheidend für die intensive physische und taktile Qualität seiner Malerei.«
Gezeigt werden, ausgehend von Mirós detailreichen Gemälde Der Bauernhof/La Ferme (1921/22), das den elterlichen Bauernhof in Mont-roig zeigt, seine geschätzten Traumbilder der 20er Jahre. Eine Schlüsselrolle für das Verständnis von Mirós vielzitierter Erklärung »Ich will die Malerei ermorden« spielt Malerei (die Magie der Farbe/La Magie de la couleur), ein vornehmlich auf zwei große Farbflecken reduziertes Werk aus dem Jahr 1930. Dann seine auf unkonventionellen Malgründen gearbeiteten Werke oder z.T. japanisch inspirierten Friese aus den 40er und 50er Jahren, bis hin zu dem reduzierten Triptychon Blau I-III /Bleu I-III (1961) oder großformatigen Schwarz-Weiß-Bildern Malerei/Peinture (um 1973), die einen gelungenen Kontrapunkt zu den Bildern in leuchtenden Farben darstellen. Fraquelli hat für die Ausstellung gekonnt Werke mit farblich ähnlichen Grundierungen oder solche, in denen gleichartige Materialien verwendet werden, zu Gruppen zusammengefasst. Insgesamt sind – auch dank der guten Kooperation mit Mirós Enkel Joan Punyet Miró – rund 50 Exponate aus international bedeutenden Museen und öffentlichen Sammlungen zugänglich gemacht worden.
Im Vergleich zur davor im Kunsthaus Zürich gezeigten Schau, wird in der Schirn noch stärker auf den Aspekt der Wand und der Oberflächen fokussiert. Auf altrosa und hellgrau gestrichenen semipermanenten Ausstellungswänden inszeniert, bewirken seine Meisterwerke nicht nur eine Entgrenzung des Bildraums, sondern es entstehen neue Bildräume (s. Abb.).
Viele von seinen Werken befinden sich im öffentlichen Raum. So endet der Rundgang konsequent mit den Entwürfen auf Karton im beeindruckenden Maßstab von 7,4 bzw. 9,2 m Breite (gesamt), der beiden keramischen Wandbilder, die der Künstler 1957 für das UNESCO-Hauptquatier in Paris schuf: Mondwand (Mur de la lune) und Sonnenwand (Mur du soleil). Die Ausstellung gibt überdies einen Einblick in den Arbeitsprozess, welcher laut der Kuratorin »mit einer kleinen Skizze oder Kritzelei beginnt und zu einem Bild von monumentaler Größe führt«. Einige Architekten könnte dies an ihre eigenen Formfindungsprozesse erinnern.
Bis 12. Juni. Joan Miró – Wandbilder, Weltenbilder. Schirn Kunsthalle, Römerberg, 60311 Frankfurt a. M., Di-So 10-19, Mi+Do bis 22 Uhr, www.schirn.de