J.MAYER.H – STRUKTURALIEN (BERLIN)

~Oliver G. Hamm

Er gehört zur ersten Generation von Architekten, die von Beginn an im Entwerfen am Computer ausgebildet wurde – was man seiner Architektur auch auf Anhieb ansieht. Ohne digitale Grundlage könnten jene eigenwilligen Formen gar nicht entstehen, die schon früh zu seinem Markenzeichen geworden sind: Jürgen Mayer H., geboren 1965, dessen Büro »an den Schnittstellen von Architektur, Kommunikation und Neuen Technologien« arbeitet und unter J.MAYER.H firmiert, ist aber nicht nur Architekt – zweifelsohne einer der populärsten in Deutschland und einer der vergleichsweise wenigen, dessen Werk auch im Ausland wahrgenommen wird – sondern eben auch ein Baukünstler. Insbesondere als solchen inszeniert ihn noch bis Ende Juni das Haus am Waldsee in Berlin.
»Architektur als urbane Plastik« lautet der Untertitel der Ausstellung. Folgerichtig präsentieren Katja Blomberg, Leiterin des Hauses am Waldsee, das der internationalen Kunst in Berlin gewidmet ist, und Kurator Ludwig Engel das Werk von Jürgen Mayer H. als autonome Kunst, die gewissermaßen um sich selbst kreist. Etwa im gesamten und komplett abgedunkelten EG, in dem einige Projektionen digitaler 3D-Architekturmodelle einen endlosen Tanz aufführen. Das ist hübsch anzusehen und gibt dem Besucher eine erste Ahnung, wie die Bauskulpturen im Prozess der digitalen Bearbeitung allmählich Form annehmen. Doch leider wird er mit dieser Ahnung weitgehend alleine gelassen.
Gerne würde man mehr über den kreativen Prozess der Gestaltfindung, über das Wechselspiel von (umgebendem) Raum, Technologie, Materialien und Form im Fluss der digitalen Informationen erfahren; aber auch über Forschung und Produktentwicklung, die ein ständiger, fast spielerischer Begleiter im kreativen Schöpfungsprozess von J.MAYER.H sind. Doch Fehlanzeige: Im OG des idyllisch gelegenen Ausstellungshauses, das etwa beim Blick durch eines der Fenster nach draußen vergegenwärtigt, dass Architektur immer auch etwas mit – zumal räumlichem – Kontext zu tun hat, wird die Architektur als voraussetzungslose, autonome Kunst gefeiert. Fotografien, Modelle und einige Bleistiftskizzen, geben immerhin eine Ahnung davon, dass dem digitalen Formfindungsprozess doch noch eine »analog«, per Hand, transformierte Schöpfungsidee zugrunde liegt.
Zugegeben: Ein Modell wie jenes von »Metropol Parasol«, der größten jemals gebauten Holzkonstruktion in Sevilla (s. Abb.), mit einem gedanklich endlos »weiterzustrickenden«, auf- und abschwingenden Raster vermag durchaus zu beeindrucken, auch als reine Bauskulptur aus Holz. Doch was hätten sich darum herum nicht alles für Geschichten erzählen lassen – etwa vom Form- und Materialfindungsprozess, von der Faszination Jürgen Mayer H.s für die Utopien der 60er und 70er Jahre und von der Architektur als »sozialer Plastik«. Wer tiefer in die Gedankenwelt des Architekten eindringen will, den wird diese Ausstellung nicht befriedigen – und auch nicht das Faltblatt, das den fehlenden Katalog nicht ersetzen kann. So bleibt nur der Griff zum ergänzenden 2015 bei Hatje Cantz erschienenen Buch »Could Should Would«, das auch an der Museumskasse angeboten wird. Dort finden sich Antworten auf so manche Frage, die beim Gang durch die Ausstellung offen geblieben ist.
Bis 26. Juni. J.MAYER.H – Strukturalien. Haus am Waldsee, Argentinische Allee 30, 14163 Berlin, Di-So 11-18 Uhr, www.hausamwaldsee.de