Jardin Majorelle

Im Tempel des Ich (München)

~Karl J. Habermann

Es war eine wunderbare Idee, zum 150. Geburtstag des Münchner Malerfürsten Franz von Stuck, Künstlerkollegen und deren Wohn- und Ateliergebäude in einer Ausstellung zusammenzuführen und im Kontext der Villa Stuck zu präsentieren. Die rührige Ausstellungskuratorin Margot Brandlhuber förderte auf ihrer Suche nach geeigneten Objekten eine Reihe sowohl bekannter als auch bislang kaum beachteter Beispiele zutage.
Jeweils in einem Kabinett, chronologisch geordnet, präsentiert Ausstellungsgestalter Kilian Stauss schlüssig die einzelnen Künstlerhäuser. Den Reigen eröffnet dabei das Haus von John Soane. Aus seinem Wohn- und Ateliergebäude formte der Architekt, Lehrer und unablässige Sammler von antiker Kunst, Büchern und Architekturmodellen ein ganzes Museum, eine »Academy of Architecture«. Das bekannte Red House wiederum von William Morris und Phil Web, eine Ikone des Arts- and Crafts-Movement, füllte eine Gruppe befreundeter Künstler nach und nach mit ihren Werken. Weitere Namen sollen hier nur kurz die Neugierde auf die gelungene Ausstellung wecken: Claude Monet, Mortimer Menpes, Gustave Moreau, Giovanni Segantini, Victor Horta, Fernand Khnopff, Jutta und Johann Michael Bossard, Kurt Schwitters, Konstantin Melnikow, Theo van Doesburg und Georgia O’Keeffe.
Die Villa Stuck, als Ort und Exponat der Ausstellung zugleich, stellt einen Ausnahmefall des Künstlerhauses als Gesamtwerk dar, da Stuck sowohl als Maler und Bildhauer als auch als Entwurfsverfasser seiner Villa firmiert. Die Eingabepläne fertigte jedoch der mit Stuck befreundete Architekt Max Littmann an, entlohnt mit Gemälden des Meisters. Anders die Innenausstattung, sie lag ausschließlich in den Händen des Künstlers und erfuhr über die Jahre immer wieder Veränderungen. So inszenierte Franz von Stuck sein Leben vor staunendem Publikum als fortwährende Performance. Der starke Kontrast von Stucks Atelier zum Künstlerhaus von Max Ernst und Dorothea Tanning bildet schließlich auch den spannungsreichen Abschluss des Rundgangs.
Die umfassende Ausstellung ist kaum zu erfassen und so bietet der Katalog mit Handbuchqualitäten – in opulenter Aufmachung und sorgfältiger Gestaltung – willkommene Unterstützung.
Namen wie Frank Lloyd Wright, Le Corbusier, Donald Judd oder Ai Weiwei deuten an, dass sich das Thema bis heute fortsetzen ließe, und lassen auf eine Fortsetzung hoffen.
Bis 2. März. Im Tempel des Ich. Das Künstlerhaus als Gesamtkunstwerk – Europa und Amerika 1800-1948. Villa Stuck, Prinzregentenstraße 60, 81675 München, Di-So 10-18, Fr bis 21 Uhr, www.villastuck.de