Iannis Xenakis (München)

Die Lautsprecher am Videogerät sind auf Flüsterton gestellt, damit im Haus der Architektur ungestört weiter gearbeitet werden kann. Wer sich in die Kompositionen von Iannis Xenakis, dem griechischen Ingenieur, der in Frankreich zum Pionier mathematisch-automatischer Musik wurde und vor- übergehend im Büro Corbusier als Architekt erheblichen Einfluss gewann, wer sich also in die rauschenden, perkussionistisch modulierten Klangwolken des Exilgriechen hineinbegeben will, dem stehen edle Hörstationen auf der Galerie zu Verfügung. Musik und Architektur in einer Ausstellung zu präsentieren, ist ein schwieriges Unterfangen. Umso mehr ist dieses Experiment der Architektenkammer Bayern zu begrüßen, die ihr Programm nachdrücklich auf interdisziplinäre Anregungen ausrichtet. Erstmals bekommt eine Foyer-Ausstellung auch die nötige Dauer, um wahrgenommen zu werden. Zeit auch für begleitende Veranstaltungen und Führungen, die dem schwierigen Thema mehr Nähe geben. Schon die mathematisch-kosmisch-musikalischen Proportionslehren von Pythagoras über Vitruv bis hin zu Le Corbusiers Modulor sind nicht leicht zu vermitteln. Mehr noch scheinen die Notationen von Xenakis »Metastaseis« (1954) und »Phitoprakta« (1956) in Verbindung mit der von ihm entwickelten Glasfassade des Klosters »La Tourette« (1953–60) oder dem Philipps Pavillon (1955) zwar optisch anregend, aber wechselseitig wenig erhellend. Die Ausstellung stützt sich im Wesentlichen auf die in Buchform erschienenen Gespräche, die Bálint András Verga einst mit dem multitalentierten Komponisten führte. Darin liegt ein wenig die Schwäche der Ausstellung: Sie löst sich nicht genug von dieser Veröffentlichung. Ira Mazzoni

Bis 30. Juni. Haus der Architektur, Waisenhausstraße 4, Mo–Do 9–17, Fr. 9–15 Uhr, www.byak.de Führung am 19. Juni, 17.30 Uhr im Foyer.