HORIZONS OF PUBLIC HOUSING (Berlin)

~Urte Schmidt

Spaniens Bauwirtschaft boomt seit Jahren und was beachtenswerte zeitgenössische Bauten und Projekte betrifft, hat Madrid mittlerweile ihre Konkurrentin Barcelona eingeholt. Die Stadt gleicht derzeit einer gigantischen Baustelle. Nicht nur Bürotürme, auch Museen und teilweise aufsehenerregende Wohnbauten entstehen, öffentliche Bereiche werden umgestaltet.
Die Höhepunkte aus 25 Jahren öffentlichem Wohnungsbau durch die Stadtentwicklungsgesellschaft EMVS (Empresa Municipal de la Vivienda y el Suelo) präsentiert nun eine Ausstellung in der Galerie Aedes am Pfefferberg, die bereits in Madrid und London zu sehen war. In ihrer Heimatstadt wurden die Projekte den Besuchern anschaulich auf einer überdimensionalen Stadtkarte und einem Parcours aus offenen Boxen nahegebracht – das dokumentiert ein Film im Eingangsbereich der Galerie. Hier am Pfefferberg hat man allerdings etwas Mühe zu verstehen, welches Gebäude wo steht und ob es bereits vollendet ist. Ein zwar großer, teilweise aber schlecht lesbarer Stadtplan verdeutlicht den Schwerpunkt der Bauprojekte in der südlichen Stadthälfte und die seit 1981 gewachsenen Stadtgrenzen. Die Zuordnung der Projekte auf dem Plan zu den Modellen im nächsten Ausstellungssaal gestaltet sich allerdings recht schwierig. Deren bunte und anregende Vielfalt ist prachtvoll auf Glastischen und unter begehbarem Spiegel- boden präsentiert; transparente Farbdrucke hängen von der Decke herab und ergänzen den Eindruck fröhlicher Lebendigkeit, die im sozialen Wohnungsbau tatsächlich wohl eher selten ist.
Überraschend vielseitig und unkonventionell ist der Geschosswohnungsbau. Er zeigt die ungewöhnliche Offenheit einer Stadtentwicklungsgesellschaft neuen Wohnformen gegenüber. Vorzeigeprojekte und derzeit im Bau befindlich sind gemeinsame Arbeiten von einheimischen Architekten mit internationalen Stars wie Be- goña Diaz-Urgorri mit Morphosis oder Manuel Serrano mit Arata Isozaki.
Was den ausgestellten Werken fehlt, ist der Kontext. Nicht allein der räumliche, auch der soziale. Wer kann sich diese Wohnungen in einem Land, in dem die Mehrheit nicht zur Miete, sondern im Eigentum lebt – meist allerdings auf Kredit – leisten? Wo sind die Menschen geblieben, die zuvor die Peripherie Madrids bevölkerten – teilweise in Slums?
Viele Fragen bleiben offen. Die Ausstellung reizt jedenfalls zu einem baldigen Besuch der spanischen Metropole und ihrer Randbezirke – Letzteres ist für eine Großstadt definitiv etwas Besonderes.
Bis 26. Juni. 25 Jahre öffentlicher Wohnungsbau in Madrid. E.M.V.S. (Empresa Municipal de Vivienda y Suelo), Aedes am Pfefferberg, Christinenstraße 18–19, Di–Fr 11–18:30 , Sa+So 13–17 Uhr, Katalog: 10 Euro. www.aedes-galerie.de