HOLLEIN
Pressekonferenz Dienstag, 24. Juni 2014, 10:30 Uhr
Eröffnung Dienstag, 24. Juni 2014, 19:00 Uhr
Ausstellungsort MAK-Ausstellungshalle
MAK, Weiskirchnerstraße 3, 1010 Wien
Ausstellungsdauer 25. Juni – 5. Oktober 2014
Öffnungszeiten Di 10:00–22:00 Uhr, Mi–So 10:00–18:00 Uhr
Jeden Dienstag 18:00–22:00 Uhr Eintritt frei
Stararchitekt, bis dato einziger österreichischer Pritzker-Preisträger, Designer,
Künstler, Kurator, Ausstellungsmacher, Theoretiker, Lehrender, Autor, Medienvisionär,
Kulturanthropologe: Als Gestalter im umfassendsten Sinn hat Hans Hollein
(1934–2014) der Architektur eine neue Note und dem Attribut Universalkünstler eine
neue Dimension verliehen. Die Ausstellung HOLLEIN, die das MAK mit Unterstützung
der Universität für angewandte Kunst Wien präsentiert, taucht in sein reiches Universum
ein und unternimmt anhand von großteils noch nie öffentlich gezeigten Materialien
aus dem Archiv Hans Holleins eine umfassende Neubetrachtung seines Gesamtwerks.
Eine speziell für die Ausstellung entstandene, neue Serie von Fotoarbeiten der
KünstlerInnen Aglaia Konrad und Armin Linke eröffnet neue Perspektiven auf sein
Werk.
„Form folgt nicht Funktion. Form entsteht nicht von selbst. Es ist die große Entscheidung
des Menschen“ schreibt Hollein 1963 im Beitrag Architektur. Damals noch keine
dreißig Jahre alt, definiert er damit – wie nur wenige Jahre später mit seinem viel
zitierten Manifest Alles ist Architektur (1967) – jene konsequente Haltung, die sein
spartenübergreifendes Schaffen seit fünf Jahrzehnten prägt. Mit seiner Auffassung
einer totalen Umwelt, die als dreidimensionaler Ausdruck des menschlichen Verhaltens
die Erde in eine Kunst-Kammer transformiert, seiner Bereicherung der Architektur um
Emotion und Sinnlichkeit und seinem Verständnis von Architektur als Medium der
Kommunikation verfolgt Hollein eine progressive Haltung, die Architektur als wesentliche
Komponente sozialer Prozesse definiert.
Die vo

Hollein (Wien)

~Wojciech Czaja

Bei seinem allerersten Bauprojekt musste er die Pläne siebenmal umzeichnen und die Baubehörde um den Finger wickeln, denn die futuristische Fassade des Kerzengeschäfts Retti sei der historischen Umgebung der Wiener Innenstadt nicht zuzumuten, hieß es damals. »Schließlich habe ich eine Minimaleinreichung im Maßstab 1:100 gemacht«, erinnerte sich Hans Hollein später. »Das wurde genehmigt, weil man darauf nichts Genaues erkennen konnte.« Seit der Eröffnung des 16 m2 großen Kerzengeschäfts 1965, für das er mit dem hoch dotierten Reynolds Award ausgezeichnet wurde, ist ein gewaltiges Œuvre an Bauten, Möbeln, Kunstwerken, Bühnenbildern, Ausstellungsgestaltungen und zahlreichen theoretischen Schriften entstanden. Wie umfangreich der Nachlass des kürzlich verstorbenen Künstlers und Architekten ist, offenbart die Ausstellung »Hollein« im Wiener Museum für Angewandte Kunst (MAK). Ein Teil der von Marlies Wirth (Wien) und Wilfried Kuehn (Berlin) kuratierten Schau ist auch dem Pioniergeschäft Retti gewidmet. Zu sehen sind Zeichnungen, Entwurfsvarianten, historische Fotografien sowie gebaute Prototypen für Verpackungen und Tragetaschen, die sich an der Form der langen, schlanken Wachskörper orientieren. Das euphorische Schmunzeln ist nicht zu unterdrücken. Es ist die Idee des Gesamtkunstwerks, des niemals aufhörenden Denkens in räumlichen und konzeptionellen Dimensionen, die im MAK so leicht konsumierbar, ja fast körperlich-emotional vermittelt werden. Und das liegt nicht nur an der Auswahl der Exponate, zu denen auch historische Ausstellungsplakate, Arbeitsmodelle und ein paar auserwählte Originalmöbel und -bauteile gehören, sondern v. a. an der Ausstellungsarchitektur Kuehns. Die an den Ecken begehbaren, eigens für diese Ausstellung errichteten Raumnischen sind den diagonalen Erschließungsachsen im Museum Abteiberg in Mönchengladbach nachempfunden. »Hollein hat in diesem Bau ein räumliches Prinzip angewandt, bei dem sich die Räume niemals an der Kante, sondern immer nur in der Ecke treffen«, so Wilfried Kuehn. »Mich fasziniert diese Lösung, weil sie einen sehr ungewöhnlichen Blick auf die Architektur ermöglicht. Diese Kleeblatt-Idee wollten wir im MAK exemplarisch nachbauen.« Und tatsächlich: Folgt man der vorgeschlagenen Gehrichtung, wird man zum Zeugen einer sich langsam vom Keim zum stattlichen Mammutbaum entwickelnden Karriere.
Drei Highlights bietet die Retrospektive: Zum einen sind dies die Fotografien der beiden Künstler Armin Linke und Aglaia Konrad, die Holleins Bauten in sehr unarchitektonischen, sehr alltäglichen Blicken einfangen, zum anderen die ersten, oft nur partiell veröffentlichten konzeptionellen Kunstwerke wie etwa die Architekturpille »Einfamilienhaus in ländlicher Umgebung« oder Svobodair, ein 1968 zusammengebrautes Spray zur Umweltveränderung. Und zum Dritten gewährt die Ausstellung einen Blick auf nur spärlich dokumentierte Studien, Bauvorhaben und sogar realisierte Bauten, bei deren Anblick man sich mitunter in einer futuristisch komponierten James-Bond-Kulisse wähnt. Und in einem ORF-Film aus dem Jahr 1969 sieht man wie Hollein einen Kommunikationshelm aufsetzt, mit dem er via integriertem Display und Kopfhörer Infos aus aller Welt erhält. Das im MAK dargebotene »Multiversum« (O-Ton Kuehn) lässt erahnen, um wie viele Jahrzehnte Hollein dem Lauf der Zeit voraus war.
Bis 5. Oktober. Hollein, Museum für Angewandte Kunst (MAK), Stubenring 5, 1010 Wien, Di 10-22, Mi-So bis 18 Uhr, Mo geschlossen. www.mak.at