Hochhaus Architektur (Frankfurt)

~Peter Struck

Am 17. November 2006 wurde Jean Nouvel in der Frankfurter Paulskirche mit dem Internationalen Hochhaus Preis 2006 für seinen »Torre Agbar« in Barcelona ausgezeichnet. Das Gebäude steht jetzt im Mittelpunkt der Hochhaus-Ausstellung »High Society« im Deutschen Architektur Museum Frankfurt, flankiert von vier ebenfalls ausgezeichneten Wohnhochhäusern: Calatravas gedrechseltem »Turning Torso« in Malmö, Delugans elegantem »Wienerberg« in Wien, dem verschachtelten »Montevideo« in Rotterdam und dem gestaffelten »Jian Wai Soho-Komplex« in Peking. Die fünf preisgekrönten Bauten werden durch 16 exemplarische Projekte ergänzt, die alle Facetten aktueller Bauvorhaben zeigen. Dabei wird nicht unterschieden zwischen realisierten Hochhäusern und solchen, die sich noch im Bau befinden, demnächst in Angriff genommen oder vielleicht niemals realisiert werden.
Die Ausstellung belegt eindrucksvoll, dass der Bau von Hochhäusern nach einer kurzen Zäsur nach dem 11. September 2001 umso vehementer vorangetrieben wird: Vor allem auf der arabischen Halbinsel und im fernen Osten entstehen spektakuläre Projekte, die weniger um die Höhe, als vielmehr um das originellste Erscheinungsbild wetteifern. Neben alten Bekannten wie dem »Flaschenöffner« (dem World Financial Center) in Shanghai, dem Giganten »Burj Dubai« oder dem sanduhrförmigen Londonor »Vortex« überraschen vor allem kleinere Projekte wie das organische »Flyotel« in Dubai oder der kristalline »Iceberg« in Doha.
Am eindrucksvollsten aber ist die parallel gezeigte Serie großformatiger Fotos von Michael Wolf. Seine »Architektur der Dichte« abstrahiert hintereinander gestaffelte, monumentale Hochhauskomplexe in Hongkong zu monotonen Mustern. Die ernüchternde Realität dieser gespenstischen Bauten bildet einen wirkungsvollen Kontrast zu den schillernden Solitären der Stararchitekten.
Bis 11. Februar, DAM, Frankfurt/Main, Schaumainkai 43, Di–So 11–18 Uhr, Mi bis 20 Uhr, www.dam-online.de