Hawa ii Moderne (Frankfurt / Main)

~Franziska Puhan-Schulz

Die Ausstellung »Hawaii Moderne: Die Architektur von Vladimir Ossipoff« wurde von der Honolulu Academy of Arts mit Dean Sakamoto als Gastkurator konzipiert und von Yale, Connecticut, übernommen. Ossipoff, geboren im russischen Wladiwostok, wuchs in Tokio auf. Er schloss sein Architekturstudium 1931 an der University of California, Berkeley, ab und ließ sich während der amerikanischen Wirtschaftskrise in Hawaii nieder, wo er seit 1936 zunächst Wohnhäuser, Schulen und Kirchen für eine einflussreiche Elite baute. Ab den siebziger Jahren folgten auch größere Projekte wie Bürogebäude, Krankenhäuser und Flughäfen. Hester Robinson, die Organisatorin im DAM, hat 18 realisierte Projekte von rund 700 ausgewählt und sechs Architekturthemen farblich abgesetzten Wänden zugeordnet: »Die Entdeckung der Landschaft« reflektiert Ossipoffs behutsamen Umgang mit der vorgefundenen Landschaft. »Hawaiianisch und modern« zeigt sich das Spektrum seiner Entwürfe: Eine an die internationale Moderne angelehnte Abstraktion der Form sowie die unter tropischen Bedingungen unerlässlichen Schattenspender. »Dunkelheit und Luft« reflektiert seine oftmals japanischen Einflüsse bei der kunstvollen Verbindung von schwachem, gefiltertem Tageslicht und natürlichem Luftwechsel. »Einheimische Materialien, moderne Details« veranschaulicht Ossipoffs Verwendung örtlicher Ressourcen wie das heimische, harte, stark gemaserte Koa Holz in seinen Innenräumen und die mit vulkanischem Gestein und Sandstein versetzten Betonaußenwände. »Lanai als Lebensraum« dokumentiert Ossipoffs Weiterentwicklung des hawaiischen Lanais – einer frei stehenden, seitlich offenen, mit Blattwerk flach überdachten Konstruktion – in einen eigenständigen Gebäudetypus, bei dem Innen- und Außenraum verschmelzen, von der Offenheit des Blanche Hill House (1961; siehe Abb.) bis zum türlosen Hauptterminal des Honolulu International Airport (1970–78). Schließlich wird vor dem Hintergrund der tourismusbedingten städtebaulichen Expansion auf Hawaii in »Der Kampf gegen die Hässlichkeit« Ossipoffs Einsatz im Ortsverband von Hawaii dargestellt. Und was macht Ossipoffs Architektur heute relevant? Seine Raumlösungen, die geprägt sind vom Respekt für die Umgebung, sein sparsamer Umgang mit Material, seine energiefreundlichen Lösungen ohne Klimaanlagen, seine ortstypische Architektur, die die moderne amerikanische Architektur einer pazifischen Kultur angleicht. Ossipoff ist ein zu Unrecht übersehener Architekt, dessen Projekte und Ideen im DAM in einer gut gegliederten Ausstellung anhand von Fotos, Plänen, Modellen und Dokumentarvideos ansprechend präsentiert werden.
Bis 14. Juni. Deutsches Architekturmuseum, Schaumainkai 43, Di–So 11–18, Mi bis 20 Uhr, Katalog, englisch 39,90 Euro, www.dam-online.de