Hans Poelzig (Berlin)

~Urte Schmidt

Sein Gesichtsausdruck ist ernst und scheint doch untergründig belustigt. Aus heutiger Sicht jedenfalls birgt das Porträt des Mannes eine gewisse Komik: zwei leichte, vertikale Stirnfalten unter einem fransigen Topfschnitt mit sehr kurz geratenem Pony. Dazu eine schwarze, rund gerahmte Brille und eine gepunktete Fliege zum dunklen Anzug, der nach unten birnenförmig zu läuft. Die Hände übereinander auf dem Schoß, eine Zigarillo bewusst lässig zwischen den Fingern. Der Architekt, wie ihn August Sander 1929 für seinen Band »Antlitz der Zeit. Deutsche Menschen des XX. Jahrhunderts« fotografierte, ist Hans Poelzig.
Seine große Werkschau »Hans Poelzig (1869–1936). Architekt – Lehrer – Künstler« in der Akademie der Künste in Berlin eröffnet mit einer Reihe von Porträts. Einige Aufnahmen von 1919–31 zeigen ihn mit nahezu identischem Gesichtsausdruck unter der merkwürdigen Ponyfrisur. Das letzte Bild hingegen fällt aus der Reihe: eingehüllt in einen geblümten, teppichartigen Bademantel sitzt der Meister grinsend im Sand. Ein ungewöhnlicher Einstieg ins Thema, der einem Hans Poelzig aber nahe bringt.
Die Schau dokumentiert eindrucksvoll die Fülle und Bandbreite seines Schaffens, beginnend mit feinen Zeichnungen »im Stile des Mittelalters« aus Studienzeiten von 1893. Dann schwere, in lebendiger Mischtechnik angelegte Entwürfe Hamburger Wassertürme oder die dramatisch und mächtig geschwungene Talsperre Klingenberg, die 1914 vollendet wurde. Faszinierend seine liebevolle, detaillierte und differenzierte Handarbeit, die dem einen Bauwerk massive Plastizität verleiht und beim nächsten jeden einzelnen Stein gesondert hervorhebt. Einige Dokumente präsentieren Wettbewerbsbeiträge und blieben unverwirklicht. Viele stammen aus dem Archiv der TU Berlin und fast alle sind kleine Kunstwerke.
Spätere Höhepunkte seiner Karriere wie das Haus des Rundfunks in Berlin oder der Firmensitz der IG Farben von 1931 in Frankfurt sind in der großen Ausstellungshalle versammelt. Zwischen seinen Zeichnungen zeigen großformatige Fotografien von Candida Höfer und Günther Förg seine Bauten heute. Inmitten seiner schweren, pathetischen, oft monumentalen und manchmal düsteren Zeichnungen bieten diese hellen, farbigen Hochglanzformate eine angenehme Abwechslung. Die meisten ausgestellten Modelle sind hingegen leider rekonstruiert und wirken zu glatt, beinahe klinisch in diesem Kontext.
Das Bild des Allroundtalents runden einige Ölgemälde sowie Entwürfe für Film- und Schauspielkulissen ab. Arbeiten seiner berühmtesten Schüler, darunter Egon Eiermann, Rudolf Schwarz und Konrad Wachsmann, belegen seinen Einfluss auf die Nachfolgegeneration. Mehr Licht, Luft und Raum hätten der Ausstellung sehr gut getan. Dunkelgraue Stellwände auf braunem Holzboden und verhängte Fenster verstärken den oft schweren, düsteren Eindruck, wirken manchmal eng und bedrückend. Das künstliche Spotlicht ist gelblich und schadet dem Vergnügen bei längerem Hinsehen.
Ein Highlight ist die Bildschirmpräsentation im lichten Treppenraum der Akademie. Sabrina Dohle hat alle noch erhaltenen Bauten Poelzigs in vielen wunderschönen, stimmungsvollen Aufnahmen festgehalten. Die Spuren der Zeit sind deutlich ablesbar in der gewachsenen Verbindung von Natur und Bauwerken, ihre patinierten Farben leuchten in der Sonne. Diese Bilder ermöglichen eine andere, freiere Sicht auf die Werke als der Ausstellungsrundgang sie zulässt.
Bis 6. Januar.. Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Di–So 11–20 Uhr, Katalog 29 Euro. www.adk.de; www.adk.de