Geschenke der Amerikaner (Berlin)

~Bernd Hettlage

Dass Berlin mit seinen Bauten der Nachkriegsmoderne nicht eben sorgsam umgeht, ist bekannt und wird immer wieder aufs Neue belegt. Jüngstes Beispiel: der Abriss des Schimmelpfeng-Hauses nahe dem Bahnhof Zoo. Die einzige Ausnahme bildet das bauliche Erbe der amerikanischen Besatzungsmacht. Eine Ausstellung im Amerikahaus, nur wenige Gehminuten vom Schimmelpfeng-Haus entfernt, würdigt diese Gebäude nun in großformatigen Farbaufnahmen der Berliner Architekturfotografin Mila Hacke.
Die Bauten sollten zum einen qua Nutzung und Architektur ein Stück US-amerikanische Kultur und Gesinnung ins Nachkriegsberlin bringen, zum anderen sollten sie teils auch symbolisch in Richtung Osten wirken. Ein Beispiel dafür ist die Amerika-Gedenkbibliothek, eine Hochhausscheibe in der Tradition der Moderne – im Kontrast zu den neoklassizistischen Bauten der Stalinallee, die zur gleichen Zeit in Ost-Berlin entstanden. Den Westberlinern sollte die Bibliothek die amerikanischen Ideale von Demokratie, Freiheit und Offenheit vermitteln.
Geschenke an Berlin waren diese Gebäude, zu denen auch die Kongresshalle (heute Haus der Kulturen der Welt), der Henry-Ford-Bau für die Freie Universität, das Studentendorf Schlachtensee oder das Amerikahaus selbst zählen, weil sie meist von US-amerikanischen Stiftungen finanziert wurden. Entworfen wurden sie dagegen oft von deutschen Architekten. Bruno Grimmek und Werner Düttmann waren zum Beispiel für das 1950 entstandene George C.-Marshall-Haus auf dem Berliner Messegelände verantwortlich.
Alle diese Bauten zeichnet eine gewisse Leichtigkeit in Verbindung mit einer klaren Sachlichkeit aus. Wiederkehrende Gestaltungselemente sind großzügige Glasflächen, schmale Säulen im Sockel, dazu Mosaike, bunte Fliesen und Wabenelemente zur Verzierung der Fassaden. Mila Hacke hat ihre Aufnahmen, für die sie sich vier Jahre Zeit nahm, oft am frühen Morgen oder zur blauen Stunde gemacht. Die Fotos sind menschenleer, die Architektur kommt dadurch umso besser zur Geltung. Eins zeigt die Ausstellung auf jeden Fall: Diese Gebäude sind erhaltenswert.
Bis 30. Juni. Geschenke der Amerikaner – das Architekturerbe der alliierten Präsenz in West-Berlin. Amerikahaus, Hardenbergstraße 21–24, Mo–Sa 12–18 Uhr, Eintritt frei. www.geschenke-der-amerikaner.de