Gertrud Arndt (Berlin)

~Ralf Wollheim

»Eigentlich wollte ich ja Architektin werden …« Gertrud Arndt: Weberin und Fotografin am Bauhaus 1923-1931. Das Bauhaus-Archiv verrät schon mit dem Ausstellungstitel, dass die Karriere von Gertrud Arndt ganz anders verlief als von ihr gewünscht. Talentiert muss sie gewesen sein, denn schon mit 16 Jahren erkämpfte sie sich 1919 eine Lehrstelle in einem Erfurter Architekturbüro und erhielt anschließend ein Stipendium für das Bauhaus. Leider etwas zu früh, denn eine richtige Architektenausbildung gab es in Weimar noch nicht. Ihre im Bauhaus-Archiv Berlin ausgestellten Arbeiten aus den Vorkursen zeigen den Einfluss von Paul Klee auf ihre späteren Entwürfe zu Teppichen und Wandbehängen. Denn wie für die meisten Frauen am Bauhaus ging es für sie anschließend in der Weberei weiter und dies obwohl die Regeln des Bauhaus‘ keine »Rücksicht auf Alter und Geschlecht« postulierten. So beendete sie nach drei Jahren in Weimar ihre Ausbildung mit einer Gesellenprüfung, ließ das Knüpfen und Weben nach ihrem Abschluss aber sein und das obwohl sie zuvor sehr erfolgreich damit war.
Schon ihr zweiter Teppich schmückte das legendäre Direktorenzimmer von Gropius und gehört heute zu den Designklassikern des Bauhaus‘. Zusammengesetzt aus farbigen Quadraten in verschiedenen Blau-, Grau- und Gelbtönen ergibt sich ein modernes einfaches Muster, das aus der Fläche entwickelt wurde. Ein ähnlicher, noch erhaltener 17 m² großer Teppich wurde für einen Hamburger Reeder hergestellt und ist ebenso wie der aquarellierte Entwurf dazu (s. Abb.) in der Ausstellung zu sehen. Färbelisten, Wollproben und webtechnische Angaben zu ebenfalls präsentierten Wandbehängen und Decken verweisen auf deren noch ganz traditionelle und anstrengende Herstellung von Hand.
Ende der 20er Jahre, mittlerweile Ehefrau des Architekten und Bauhausmeisters Alfred Arndt, begann Gertrud Arndt ganz privat und zum Zeitvertreib eine Serie mit »Maskenportraits« aufzunehmen, in denen sie sich und ihre Freundinnen in wechselnden Posen und Kostümen inszenierte. Erst 1979 fand die erste Ausstellung ihrer Fotos statt. Seither gilt sie in der Kunstwelt als Künstlerin, die mit Rollenbildern spielt, auch wenn es in ihrem eigenen Leben nicht so souverän gelang.
Bis 22. April. »Eigentlich wollte ich ja Architektin werden …« Gertrud Arndt: Weberin und Fotografin am Bauhaus 1923-1931. Bauhaus-Archiv, Klingelhöferstraße 14, 10785 Berlin, Mi-Mo 10-17 Uhr, Katalog in der Ausstellung, 14,90 Euro, Bauhaus-Archiv 2013. www.bauhaus.de