GEORGES MÉLIÈS – LA MAGIA DEL CINE (Madrid)

~Hartmut Möller

Das CaixaForum zeigt eine im wahrsten Wortsinn fantastische Ausstellung über den Filmpionier Georges Méliès (1861-1938). Nicht zuletzt durch Martin Scorseses »Hugo Cabret« (2011) erlebt der Meister der Illusionen derzeit eine Renaissance. Musikvideos von Queen und Smashing Pumpkins orientierten sich bereits Mitte der 90er Jahre an seinem bekanntesten Werk »Die Reise zum Mond« (1902). Und der Fernsehsender arte zelebrierte jüngst zum
110-jährigen Jubiläum die Wiederentdeckung und Restaurierung dieses filmischen Meilensteins. Die im Auge des Mondgesichts steckende Rakete ist als Motiv heute eine weltbekannte Ikone (s. Abb.).
Als Sohn eines reichen Schuhfabrikanten kommt Méliès 1884 während eines London-Aufenthalts mit der Zauberei in Berührung. Zum Unbehagen seiner Eltern begeistert er sich weniger für die geschäftliche Zukunft des väterlichen Betriebs als für die Theaterwelt und für magische Vorstellungen. So nimmt er 1888 seinen Anteil aus dem Familienunternehmen, um in Paris das »Théâtre Robert- Houdin« zu kaufen. Als er bei den Brüdern Lumière eine Vorführung mit dem Kinematographen sieht, begreift er schnell die außerordentliche Wirkung dieser Wundermaschine und beginnt ein eigenes Gerät zu entwickeln. Fortan zeigt er in seinem Schauspielhaus selbstproduzierte Kurzfilme, die sich nicht mit der Abbildung der Wirklichkeit beschäftigen, sondern einen surrealen Bilderrausch entfachen. Méliès will sein Publikum durch imaginäre Welten und mit allerlei Spektakel in den Bann ziehen. Per Zufall erfindet er die erste Trickaufnahme der Filmgeschichte, weil die Kurbel beim Drehen mit seiner Kamera hakt und sich die Motive bei der späteren Wiedergabe sprunghaft fortbewegen. Nun sind seiner Kreativität keine Grenzen mehr gesetzt: Der leidenschaftliche Tüftler kreiert durch Stop-Motion-Technik, Doppelbelichtung, Montagen, Pyroeffekte, Überblendungen und abenteuerliche Kulissen einen Mysterien- kosmos, der ihn weltberühmt macht.
Dabei hat das Universalgenie als begnadeter Zeichner, Zauberer, Theaterregisseur, Schauspieler, Dekorateur, Techniker, Produzent, Hersteller und Vertreiber von mehr als 500 Filmen eine Vielzahl von Artefakten hinterlassen. So gleicht der erste Stock im von Herzog & de Meuron geplanten Gebäude einem Tempel der Fantasie. Die von Laurent Mannoni kuratierte Ausstellung berichtet mit gut 400 Exponaten (überwiegend von der Cinémathèque Française) in drei Kapiteln über die historische Vorgeschichte, Méliès’ Auffassung des Films als Gesamtkunstwerk und wie er aufgrund des Tonfilms und realitätsbezogenen Wochenschauen in Vergessenheit geriet. Es ist nur konsequent, dass die Schau sehr dunkel gehalten ist. Dadurch kommen all die hinterleuchteten Bilder, Filme und Projektionen besonders gut zur Geltung. Zudem ist es fast so, als würde man sich durch einen riesigen Kinosaal bewegen. Präsentiert werden animierte Schattenspiele, Phantasmagorien, Laternae magicae, Plakate, Zeichnungen, Gemälde, Fotos, Bewegungsstudien, handkolorierte Filmstreifen, ein Raketennachbau, Studiomodelle, Masken, Figuren, Originalkostüme und -kameras. Diverse Apparaturen regen zum Bedienen an und versetzen den Betrachter direkt in die Vergangenheit. Der Besuch ist nicht nur für Kinobegeisterte ein cineastischer Leckerbissen. Jammerschade, dass der Katalog lediglich auf Spanisch vorliegt, obgleich im Forum selbst alle Texte auch ins Englische übersetzt wurden.
Bis 8. Dezember. Georges Méliès. La Magia del Cine. CaixaForum Madrid, Paseo del Prado 36, ES-28014 Madrid, tägl. 9-20 Uhr