Fritz Landauer (München)

Es ist schon ein bestürzend trauriger Ausstellungsort – bewacht, vergittert, versteckt: das Jüdische Museum München im Hinterhof der Jüdischen Gemeinde. Es ist zugleich der lehrreichste und eindringlichste Ort, um an einen vergessenen jüdischen Architekten der Moderne zu erinnern: Fritz Landauer (1883 – 1968). Während der Besucher sich in die vom Architekturmuseum Schwaben bewahrten Zeichnungen und Dokumente vertieft, begleitet ihn die Tonspur der von Manfred Koob und seinen Studenten erarbeiteten CAD-Rekonstruktion »Synagogen in Deutschland«. Von Unterdrückung, Verfolgung, Zerstörung, Vertreibung und Mord wird dort berichtet, während man Landauers Entwicklung von dem byzantinisch anmutenden Kuppelbau der Augsburger Synagoge (1912 – 17) hin zu dem einzigartigen Gotteshaus in Plauen (1928 – 30) verfolgt. Der gradlinige, durch unterschiedliche Fensteröffnungen grafisch gegliederte Kubus, gehörte einmal zu den modernsten Sakralbauten der Weimarer Republik. Die Innenaufnahmen zeigen einen Monumentalraum, der vom Tageslicht effektvoll konturiert wurde. Dass man diesen Bau nicht mehr kennt, dass er in den Architekturgeschichten fehlt – eine Blamage. Genauso die Villen Landauers in Augsburg und Fürth. Neues Bauen in Bayern war so und so eine Ausnahme, aber auf einem Niveau, das den Vergleich mit May und Mies, Salvisberg oder Frank nicht zu scheuen braucht, das ist sensationell. 1934 von den Nazis mit Berufsverbot belegt, emigrierte Landauer nach London. Mit zwei Vorstadt-Synagogen war er dort Vorreiter des Neuzeitlichen. Aber der Zweite Weltkrieg zwang ihn dazu, seinen Lebensunterhalt mit den Entwürfen von Grabsteinen zu verdienen. Ira Mazzoni

Bis 29. September. Jüdisches Museum München, Reichenbachstraße 27/RGB, Di 14 –18 Uhr, Mi 10 – 12 Uhr und 14 – 18 Uhr, Do 14 – 20 Uhr