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Ausstellung

Frau Architekt (Frankfurt A. M.)

~Franziska Puhan-Schulz

100 Ausstellungen über die Arbeit männlicher Architekten im Deutschen Architekturmuseum stehen nur vier Ausstellungen über Architektinnen gegenüber. Ein Grund für das DAM in der aktuellen, durch die Bundeskulturstiftung geförderten Ausstellung, Frauen in der Architektur besser sichtbar zu machen. Wer nun glaubt, mehr über die großen internationalen Architektinnen, wie »Eminent Architects« (2011), zu erfahren, wird in dieser Ausstellung womöglich enttäuscht. Die Ausnahme: Im 2. Obergeschoss werden in Ungers »Haus im Haus« Pläne und Zeichnungen der Star-Architektin Zaha Hadid zu einem Entwurf für ein Berliner Bürohaus ausgestellt. Ansonsten zeigt das Kuratorenteam, bestehend aus Mary Pepchinski, Christina Budde und Wolfgang Voigt, sachlich und informativ, wie sich 22 Frauen im Deutschland des 20. Jahrhunderts, bzw. im Exil in ihrem Beruf etablierten. Die Porträts sind schlüssig, chronologisch geordnet und zudem geben neun filmische Interviews mit Architektinnen verschiedener Generationen Einblicke in das heutige Berufsleben. Ungeschönt werden damals wie heute Erfolgshürden beschrieben. Hadid äußerte mal über mangelndes kulturelles und soziales Kapital: »Es gibt einfach Berufe, in die Frauen nicht so gut reinkommen. Keine Ahnung, was männliche Architekten mit ihren Kunden machen – Golf, Segeln, ein paar Drinks an der Bar? Echt keine Ahnung.«
Erfreulich »politically correct« werden Adlige und einfache Bürgerin, Sozialistin und Unternehmerin, Nazionalsozialistin und ins Exil gezwungene Jüdin in der Architekturgeschichte aufgezeigt. Der Rundgang beginnt mit Emilie Winkelmann, die 1907 in Berlin ihr eigenes Architekturbüro gründete und zunächst großzügige Villen und Landhäuser in Berlin baute. Derweil schuf Prinzessin Victoria zu Bentheim und Steinfurt (1887-1961) landwirtschaftliche Gebäude, die auf regionalen Vorbildern basierten und Therese Mogger (1875-1956) konstruierte Gebäude einer wachsenden Stadt wie Kindertagesstätten, Vereinshäuser oder Wohnungsbauten für Alleinstehende und Arbeiter. Wieder anders Lucy Hillebrand (1906-97), die unter erschwerten Umständen Schulen baute, für welche sie Ideen der Reformpädagogik aufgriff. Ihre Inselkirche St. Nikolaus auf Langeoog zeigt die Einbettung der Architektur in die Dünen-Landschaft der Insel (s. Abb.). Kultur und Natur waren ebenso ein Thema für Merete Mattern (1930-2007), die in wunderbaren Modellen eine visionäre, durchgrünte Stadtplanung für Bratislava erarbeitet hat. Dann gibt es einen Sprung zu FRAU ARCHITEKT heute. Gesine Weinmiller (*1963) und Almut Grüntuch-Ernst (*1966) sollen exemplarisch für Erfolgsmodelle von Architektinnen stehen, deren Namen nicht an zweiter Stelle genannt werden. Insgesamt gesehen eine spannungsreiche Bandbreite an vorgestellten Persönlichkeiten und deren Werken.

Bis 8. März 2018, Frau Architekt. Seit mehr als 100 Jahren: Frauen im Architektenberuf. Deutsches Architekturmuseum, Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt a. M., Di-So 11-18, Mi bis 20 Uhr, Katalog: Mary Pepchinski, Christina Budde u. a. (Hrsg.), Deutsch/Englisch, 39 Euro,
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