Ernst Kasper (Frankfurt am Main)

Angesichts der Qualität und Aktualität seiner Architektur kann man über die geringe Medienpräsenz des 1935 in Trier geborenen Ernst Kasper nur staunen. Außerhalb seines Wirkungskreises als Architekt in Aachen und Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf weitgehend unbekannt, hat er sich ganz auf seine ureigenen Aufgaben konzentriert. Üppig ist das Material zwar nicht, das aus Anlass der Übernahme der Sammlung im DAM gezeigt wird, doch dürften allein die ausgestellten Modelle reichen, um die Arbeit Kaspers überregional bekannt zu machen. – Außerdem werden Pläne und Skizzen im Original präsentiert, Fotografien und Interviews können leider nur am Monitor betrachtet werden. Faszinierend sind Projekte wie das »Kaiserbadgelände« in Aachen von 1990 (Abbildung), bei denen Kasper die mittelalterlich-europäische Stadt weiterspinnt – selbstverständlich unter den Bedingungen und mit den Mitteln der Gegenwart. Städtebau, Architektur und Design sind hier genauso unlösbar miteinander verbunden wie Geschichte und Gegenwart. Obwohl dieses und andere Vorhaben natürlich in einem Zug gebaut wurden, sie großmaßstäblicher Art waren und auch die Bauindustrie nach Repetition verlangte, nehmen die Entwürfe immer wieder die für den Ort richtigen Formen an. Die alte Stadt lieferte eine reiche Partitur, die im heutigen Geist neu interpretiert wurde. Stimmig im Ganzen wie im Detail, leben im Werk Kaspers die einst langsam und unregelmäßig gewachsenen alten Gassen und Plätze wieder auf, nehmen die Baukörper im Großen die richtige Haltung an und bilden auch im Kleinen immer wieder treffend modellierte Ecken, Höfe und Übergänge, im Grundriss wie in der dritten Dimension und vor allem in der Bewegung. Manuel Cuadra

Bis 25. September, Deutsches Architektur Museum, DAM, Schaumainkai 43, Di, Do – Sa, So 11–18, Mi 11–20 Uhr, Katalog deutsch/englisch, 26 Euro