Ellsworth Kelly (Wiesbaden)

~Franziska Puhan-Schulz

Anlässlich der Vergabe des Alexej-von- Jawlensky-Preises in Wiesbaden an den amerikanischen Künstler Ellsworth Kelly (*1923 in Newburgh, NY) für sein herausragendes Lebenswerk, zeigt das Museum Wiesbaden die Retrospektive: »Ellsworth Kelly. Schwarz und Weiß«. Die Ausstellung ist in Kooperation mit dem Haus der Kunst in München entstanden und wurde in Wiesbaden vom stellvertretenden Direktor Jörg Daur kuratiert. Ellsworth Kelly ist der fünfte Preisträger seit 1991 und steht in der Reihe von Agnes Martin, Robert Mangold, Brice Marden und Rebecca Horn. Auffällig an seinem Werk ist die Reduktion der bildnerischen Mittel auf die Form und die Farbe. Der Kurator äußerte hierzu: »Gerade in Schwarz-Weiß bleibt Kelly sich treu.« Seine Formen sind meist geometrisch, die Konturen sind klar umrissen und die monochromen Flächen entwickeln eine eigentümliche dreidimensionale Kraft.
Der Rundgang beginnt in einem oktogonförmigen Raum mit Frühwerken aus den 40er/50er Jahren, die in Paris entstanden, wo er zu einer autonomen abstrakten Bildsprache findet. Ein Tulpenbild von 1949, schwarze Tulpe auf weißem Hintergrund, hängt hier z. B. im selben Raum mit dem zweiteiligen Relief eines Fensters mit Sprossen ebenfalls von 1949. Hier sind zwei Tafeln in einem Bildobjekt zusammengefügt: Die obere Holztafel ist weiß, die untere ist grau gemalt und die schwarzen Rahmen und Sprossen sind als Holzleisten gefertigt. So wird »Window« auf seine strukturellen Merkmale reduziert.
In einer Abfolge rechteckiger Räume kann der Betrachter beobachten, wie Kellys Werke strenger geometrisch werden und sich stärker von den beobachteten Quellen entfernen. Es folgen mehrteilige Bildtafeln, des seit 1954 wieder in den U.S.A. arbeitenden Künstlers, in vielfältig variierter Form oder gleich große Bereiche schwarzer und weißer Farbmassen. Fast architektonisch wirken insbesondere die Reliefs aus übereinandergelagerten Tafeln – häufig weiß auf schwarz. Die Tiefe der Reliefs und die Ausrichtung der Kanten und Ecken sorgen dafür, dass die flachen, grafischen Formen einen physischen, spannungsreichen Raum entfalten. Bei einem großzügigen Umgang mit den 1 100 m Ausstellungsfläche werden in Wiesbaden eine Auswahl von etwa 50 Bildern und Reliefs der Jahre 1948-2010 präsentiert, ergänzt durch Zeichnungen und Fotografien. Insbesondere anhand einer Auswahl Fotografien des Künstlers wird deutlich, wie Kelly sich dieser als Hilfsmittel für Raumkompositionen bediente. Fotografiert sind z. B. ein Hausdach, eine Scheune sowie Architekturdetails mit ihrem Schattenwurf.
Jörg Daur erweist in Wiesbaden ein selten gutes Gespür für die Aufteilung der Flächen und Proportionen. Und obgleich Kellys Schwarz-Weiß-Werke nur etwa ein Drittel seines umfangreichen Œuvres ausmachen, wirkt die Ausstellungsinszenierung so selbstverständlich, als hätte der Maler und Bild- hauer nie etwas anderes gemacht.
Bis 24. Juni. Museum Wiesbaden, Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden, Di 10-20, Mi-So 10-17 Uhr, Katalog in der Ausstellungbei 30 Euro, www.museum-wiesbaden.de