Ein Leben für die Architektur. Julius Shulman (Frankfurt am Main)

»Shulman, endlich mal ein Foto von einem, der verstanden hat, was ich aussagen will« – der begeisterte Ausruf Frank Lloyd Wrights galt einem, der in der Architekturfotografie alles erreicht hat. Anlässlich des 95. Geburtstags von Julius Shulman zeigt das DAM eine Auswahl seiner wichtigsten Arbeiten.

Shulman begann in den dreißiger Jahren zu fotografieren, gefördert vor allem von Richard Neutra. Seit 1936 entstand ein Mammutwerk, eine Bilderschau der Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts. Fast alle der gezeigten Exponate zeugen von der formvollendeten Bildsprache Shulmans, der genau wusste, was gute Architekturfotografie bedeutet: die Kunst, den Gestaltungswillen des Architekten auf den Punkt zu bringen.
Wenn Architekturfotografie manchmal allzu nüchtern und kühl daherkommt, dann kaum hier: Ein Bild ist anziehender als das nächste, weil Shulman – gleichwohl um Präzision und Genauigkeit bemüht – weiß, wonach den Betrachter dürstet. Oft setzt er die Architektur in Beziehung zu ihrer landschaftlichen Umgebung oder lässt Menschen in seinen Bildern auftreten, wie etwa bei den spektakulären Nachtaufnahmen des 1959/60 gebauten »Case Study House Nr. 22« hoch über dem funkelnden Los Angeles – einem jener zeitlos-eleganten Glaskästen des Architekten Pierre Koenig, den Shulman durch seine Fotografien weltbekannt machte. Einige der Aufnahmen wirken wie Filmstills – deuten mit ihren Protagonisten eine Story an, über deren Ausgang wir nur spekulieren können. Shulman: »Ich verändere die Architektur nicht, sondern lege eine Qualität hinein, die sie magisch erscheinen läßt, so dass die Leute sagen: Das ist ein wunderbares Bild. Ich möchte in diesem Haus leben.« Marc Peschke
Bis 11. Dezember, Deutsches Architektur Museum, Schaumainkai 43, Di, Do –So 11 –18, Mi bis 20 Uhr, dam.inm.de