das bauhaus – #allesistdesign (Weil am Rhein)

~Hubertus Adam

Keine Kunstinstitution ist wohl besser erforscht als das Bauhaus: Die Publikationen zu allen, selbst den entlegensten Aspekten füllen Bibliotheken, die Ausstellungen zum 90. Geburtstag sind vorbei, die zum 100. befinden sich in Vorbereitung, samt Museumsneubauten oder -erweiterungen an allen drei historischen Bauhausstandorten. Vor diesem Hintergrund überrascht die Entscheidung des Vitra-Design-Museums, vier Jahre vor dem Mega-Jubiläum das Bauhaus zum Thema einer Ausstellung zu machen, zumal Bauhaus-Objekte nicht eben den Schwerpunkt der Sammlung des Museums darstellen. Dass die Schau in den bekanntermaßen räumlich beschränkten Ausstellungssälen des Gehry-Baus trotz mancher Fragwürdigkeiten den Besuch lohnt, ist Jolanthe Kugler zu verdanken. Die Kuratorin hat nicht den angesichts der Ausgangslage zum Scheitern verurteilten Versuch unternommen, eine Überblicksausstellung zu inszenieren, sondern greift bestimmte Aspekte heraus, die spannender sind, als es der modische Untertitel der Ausstellung #allesistdesign zunächst vermuten lässt. Zum einen beschränkt sich die Präsentation nicht auf Bauhaus-Objekte im engeren Sinne, sondern integriert den kulturellen Kontext ebenso wie Arbeiten der verschiedenen Akteure, die außerhalb der Schule entstanden sind; etwa Wilhelm Wagenfelds Pressglas-Behälterset von 1938/39. Außerdem sollen die weiterwirkenden Bauhaus-Impulse auch an ausgewählten zeitgenössischen Designbeispielen veranschaulicht werden. Besonders erhellend ist letzteres allerdings nicht; dass Themen wie Menschen vs. Maschine, Individuum vs. Gesellschaft oder Unikat vs. Massenfabrikat schon am Bauhaus reflektiert wurden, ist schließlich allgemein bekannt, und auch die Statements zeitgenössischer Designer und Architekten bleiben im Bereich des zu Erwartenden.
Die von Kühn Malvezzi aus Berlin mit einem konstruktivistisch anmutenden Arrangement aus Kanthölzern und Latten inszenierte Schau gliedert sich in vier Teile: #createcontext thematisiert den schwierigen Start des Bauhauses in der von Chaos und utopischer Vision geprägten Umbruchsituation nach 1918. #learnbydoing widmet sich dem Produktdesign. Anregend ist hier der Einstieg über Baukästen und Spiele, aber auch die Studie von Philipp Oswalt über die legendäre Bauhausleuchte, die zur Ikone wurde, obwohl sie eigentlich weder hinsichtlich ihrer Funktionalität noch ihrer Fertigungsweise den Postulaten des Bauhauses entsprach. Im #thinkaboutspace geht es um die Bauhaus-Architektur, v. a. auch um ihre Farbigkeit: großformatige Arbeiten des Leipziger Künstlers Adrian Sauer sollen einen farbigen und wohnlichen Eindruck der Bauhaus-Interieurs vermitteln, die sich durch die historischen s/w-Fotos ins historische Gedächtnis eingebrannt haben. Die Schau findet im OG mit #communicate ihren Abschluss, der Selbstdarstellung des Bauhauses mittels Ausstellungen, Zeitschriften und Büchern. Ein nicht für die Nachwirkung des Bauhauses zentrales Thema, auch wenn Olaf Nicolais manierierte filmische Inszenierung zweier niemals publizierter Bauhaus-Bücher durchaus verzichtbar wäre.
Letztlich sucht die Ausstellung nicht vordergründig das Gemeinsame, sondern zeigt das Bauhaus als Ort des Zusammentreffens extrem kreativer, aber unterschiedlicher, z. T. auch widersprüchlicher Individuen. Das ist ein Ansatz, der überzeugt.
Bis 28. Februar. Das Bauhaus #allesistdesign. Vitra Design Museum, Charles-Eames-Str. 2, 79576 Weil am Rhein, tägl. 10-18 Uhr, 24.12. bis 14 Uhr, das Museum ist an allen Sonn- und Feiertagen geöffnet. www.design-museum.de