Bernd und Hilla Becher (Berlin)

Zu Ikonen der deutschen Nachkriegsfotografie sind die Fotografen Bernd und Hilla Becher im Laufe ihres jahrzehntelangen monothematischen Schaffens geworden. Ihr ganzes Berufsleben hindurch haben sie sich auf Industrieanlagen konzentriert, Zechen und Kohlebergwerke in Europa und den USA, die nicht zuletzt durch die Bilder des Ehepaares zu Symbolen einer vergangenen Epoche wurden. In einer umfangreichen Retrospektive sind die Arbeiten der Bechers jetzt nach Düsseldorf und Paris in Berlin angelangt. Passenderweise im Hamburger Bahnhof, einem alten Jugendstilgebäude, entstanden kurz nach der Jahrhundertwende und damit ein Zeitgenosse der meisten, von den Bechers ins Bild gesetzten, Industriebauten. Die Ausstellung ordnet die Bilder nach Typen: Fördertürme, Hochöfen, Wassertürme sind jeweils zu Gruppen von 12 bis 15 Aufnahmen zusammengefasst. In dieser Häufung strahlen die menschenleeren Bauten Schönheit, fast Sinnlichkeit aus. Die Fördertürme wirken oft wie Tiere, die Röhren auf den Detailaufnahmen wie Adern eines Organismus, die Hochöfen wie abstrakte Skulpturen. Zerbrechlich scheinen dagegen die hölzernen Fördertürme aus Pennsylvania. Doch ob die streichholzartigen Türme aus den USA oder die monumentalen Ruhrgebietszechen – vergänglich sind sie alle. 95 Prozent der fotografierten Anlagen, so die Bechers, seien inzwischen abgerissen. Ihr Werk ist also nicht nur Kunst, sondern auch Dokumentation. Die Fotos wirken still, auch wenn die Schlote noch rauchen. Doch von welchem Lärm müssen diese Orte erfüllt gewesen sein? Auf der Tonspur zu einer Diaschau erzählt das Künstlerpaar informativ und unprätentiös von seiner Arbeit. Bernd Hettlage

Bis 8. Januar, Hamburger Bahnhof, Invalidenstraße 50/51, Di – Fr 10 –18 Uhr, Sa 11 – 20 Uhr, So 11 – 18 Uhr, Katalog 30 Euro