BAUEN MIT HOLZ (BERLIN)

~Hartmut Möller

Nach München und Wien macht nun eine aktualisierte Fassung der Ausstellung »Bauen mit Holz« in Berlin Station. Sie feiert die Renaissance eines seit der Moderne – und der damit verbundenen Vorliebe für Glas, Stahl und Beton – zu unrecht verschmähten Baustoffs. Dieser wird dem Besucher im ersten Saal des Martin-Gropius-Baus sinnlich vor Augen geführt: Hier lässt sich Holz in diversen Varianten als Dreischicht-, Span- und OSB-Platte, Brettsperrholz (furniert), Konstruktionsvollholz (sägerau) oder gefasert als Dämmstoff haptisch und olfaktorisch erfahren. Rund 1/3 der Fläche Deutschlands ist bewaldet. Ein sauber aufgeschichteter Stapel aus Vierkantstäben unterschiedlicher Holzarten veranschaulicht durch ihre jeweilige Anzahl die Masse der einzelnen Sorten. Demnach entfallen auf Fichten, Kiefern, Buchen und Eichen zusammen 75 % des Vorkommens; Kastanien, Nuss- und Apfelbäume bilden hingegen das Schlusslicht.
In der Ausstellung folgen aneinandergereihte Mottoräume, die sich mit Ökobilanzierung, Vorzügen im Bauprozess durch einen hohen Vorfertigungsgrad, Möglichkeiten neuer Produktionsmethoden samt tektonischer Variationen mittels Digitalisierung und aktuellen Beispielen im urbanen Kontext beschäftigen. Weiterhin ergeben sich beim Bauen im Bestand aufgrund der Leichtigkeit von Holzständerwerken Vorteile bei Aufstockungen; im Sanierungsfall liegen energetische Erfolge vor. Dank innovativer technischer Lösungen und weiterentwickelter Brandschutzmethoden lassen sich heute ungeahnte Dimensionen erreichen. Abschließend will die Schau das klischeehafte Bild traditioneller Holzarchitektur historischer Fachwerkbauten, Bauernhäuser oder Schweizer Chalets überwinden.
Vertreten sind u. a. Norman Foster, Sauerbruch Hutton, Frei Otto, Shigeru Ban und Toyo Ito mit weltweit ausgeführten, prominenten Bauwerken. Jedes wird – was könnte näher liegen – als Holzmodell präsentiert sowie durch Fotos, Videos und Texte erläutert. Auf die Dauer ist das etwas ermüdend; obendrein sind geschlossene Baukörperminiaturen zwar hübsch anzuschauen, aber nicht wirklich verständnisfördernd. Die offenen oder durch hohe Fassadentransparenz einsehbaren Modelle vermitteln indes einen großartigen Eindruck der entworfenen Raumwirkung. Noch mehr werden einige Schnitt- und Sprengmodelle der Angelegenheit gerecht, weil sie Konstruktion bzw. Anwendung und Umbaumaßnahmen ablesbar machen. Lust auf Erkundung im Berliner Stadtraum verschaffen ausliegende Broschüren als Wegweiser zu Holzbauten vor Ort. Natürlich hat eine von der Holzindustrie geförderte Veranstaltung das Anliegen, jenes Material und dessen Brauchbarkeit ins rechte Licht zu rücken, unabhängig davon steckt im Holz aber offenkundig großes Potenzial – welche weiteren Entwicklungen sich in der Zukunft abzeichnen bleibt sicher spannend. Die von Hermann Kaufmann zusammen mit Winfried Nerdinger kuratierte Schau vermittelt jedenfalls einen runden Überblick zum Status quo. Wer es übrigens zeitlich bis zum 8. Januar einrichten kann, dem sei auch die eintrittsfreie Nachbarausstellung »ultra. gestaltung schafft wissen«, die wechselseitige Einflüsse von Kunst, Wissenschaft und Technologie beim Gestaltungsprozess thematisiert, ans Herz gelegt.
Bis 15. Januar. Bauen mit Holz – Wege in die Zukunft. Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, 10963 Berlin, Mi-Mo 10-19 Uhr, www.gropiusbau.de.