Bauen! (Berlin)

Siebzehn Gebäude aus Europa, den USA und Israel zeigt das Jüdische Museum in Berlin. Namen wie Libeskind, Gehry und Botta verbreiten internationales Flair. Zahlreiche Modelle, Pläne und Fotos zeigen Synagogen, Museen, Gedenkstätten und Gemeindeeinrichtungen – höchst unterschiedliche Projekte, die sich nicht auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen, lediglich die Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte, beziehungsweise der nationalen und religiösen Identität, beeinflusste alle Entwürfe; von der strengen reduzierten Formensprache bei Adolf Krischanitz bis hin zu den zerklüfteten Bauten von Zvi Hecker. Schon die prachtvollen Synagogen des 19. Jahrhunderts bezogen sich auf vergangene europäische und orientalische Traditionen. Wahlweise wurde maurisch, byzantinisch oder romanisch gebaut und damit visuell Geschichte konstruiert. Auch bei den gezeigten Projekten der letzten 15 Jahre wurden Anknüpfungspunkte gesucht, dabei aber ungleich subtiler als im 19. Jahrhundert vorgegangen. Wie kompliziert das sein kann, zeigen die verschiedenen Planungen für jüdische Museen oder Holocaust- Gedenkstätten in Amerika und Europa. Die inhaltlichen Bezüge ändern sich, je nachdem wo sie geplant wurden. So auch bei der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Seit den fünfziger Jahren werden dort beinahe jährlich neue Bauten und Gedenkskulpturen ergänzt, die sich jeweils anders auf die Gründung des Staates Israel oder den Holocaust beziehen. Diese Suche nach Identität wird im sehr lesenswerten Katalog ausführlich dargestellt. In der Ausstellung legen vor allem die Bauten nahe, die verwendeten Metaphern zu interpretieren. Ralf Wollheim

Bauen! Jüdische Identität in der zeitgenössischen Architektur. Bis 29. Mai, Jüdisches Museum Berlin, Lindenstraße 9–14, tägl. 10 – 20 Uhr, Mo bis 22, Katalog 29 Euro