Architekturskizzen (Hannover)

Eine Architekturausstellung ganz ohne Grundrisse, Schnitte und Konstruktionszeichnungen! Oft ohne Bezug zu konkreten Bauaufträgen nähern sich etwa fünfzig unveröffentlichte Zeichnungen der Architektur auf spielerische Weise: private Reiseein- drücke, flüchtige Ideenskizzen und realitätsferne Visionen, meist waren sie gar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt und gerade deshalb sind sie von hohem künstlerischen Wert. Die ältesten Arbeiten stammen von Georg Ludwig Laves. Klassizistisch-zarte, eher schüchterne Notizen zu Möbeln oder Bauwerken wie dem hannoverschen Bahnhof. Die Ausstellung schlägt einen Bogen von Wilhelm Hübotters frühen Gartenansichten in Jugendstilmanier über Bernhard Hoetgers gigantisches Stadtprojekt für den Keksfabrikanten Bahlsen bis zu Wenzel Habliks utopischen Fantasien aus den zwanziger Jahren: die wie grüner Spargel anmutende »Siedlung im Schwarzwald« oder das »Technische Gebirge«, aus dem Material abgewrackter Kriegsschiffe. In den zukunftsorientierten Zeichnungen der fünfziger Jahre werden stilistische Attribute zur Hauptsache – wie der an ein surreales Insekt erinnernde Hubschrauber von Karl Cravatzo. Seine Vision vom Landeplatz auf dem hannoverschen Hauptbahnhof gerät beinahe zum Comic. Umgekehrt macht sich der Karikaturist Cord Machens sehr persönliche Gedanken zur Architektur. Hans Scharouns lässiger Wettbewerbsentwurf für das Wolfsburger Theater, mit dem er sogar den ersten Preis gewann, und ein futuristischer Fernsehturm von Friedrich Spengelin sind Höhepunkte aus den sechziger Jahren. Die Auswahl durch Stile und Zeiten ist wirklich gelungen, es hätte durchaus noch mehr sein können. Peter Struck

Bis 19. Mai. Architektenkammer Niedersachsen, Friedrichswall 5, Mo–Do 9–16 Uhr, Fr 9–12 Uhr, www.aknds.de