Architekturfotografie-Preis (Frankfurt a. M.)

~Franziska Puhan-Schulz

Alles hat mal bei der db begonnen, als Wilfried Dechau, der damaligen Chefredakteur, den Europäischen Architekturfotografie-Preis 1995 zum ersten Mal verliehen. Zum Fortbestehen des 2-jährig vergebenen Preises wurde 2003 der Verein »architekturbild e. V.« gegründet. Die Besonderheit des seit 2008 in Kooperation mit dem DAM ausgelobten Preises liegt darin, dass von den Teilnehmern immer eine Serie von vier Fotografien zum selben Thema gefordert wird, was Raum für das Erzählen von Geschichten lässt. Die Themen sind laut Wilfried Dechau jeweils so gewählt, dass sie offen genug für eine weite Interpretation sind. Das sorgt für Überraschungen: Wer denkt z. B. bei »Urbane Räume« (2003) an das im Entstehen begriffene Gelände der Bundesgartenschau in München-Riem, von Susanne Wegele ins Bild gebannt, als wenn es sich um die unangetastete Natur schneebedeckter Berge handele und bei »Mein Lieblingsplatz« (2007) an individuell zurechtgemachte Gefängniszellen wie in den Aufsichten von Dirk Brömmel?
»Mensch und Architektur« (1995), s. Abb. – das kann die Porträt-Reihe von Mönchen an ihren Lieblingsplätzen im Kloster Sainte Marie de la Tourette ebenso wie eine Container-Bildserie aus Dresden sein. Weitere Themen waren: Architektur schwarzweiß (1997), Architektur im Kontext (1999), Visionen in der Architektur (2001), Arbeitsplätze (2005), Neue Heimat (2009) und Dazwischen (2011). Alle ersten Preise wurden übernommen. Ansonsten hat das Kuratorenteam – Wilfried Dechau, Simone Hübener und Inge Wolf – die Auswahl aus heutiger Sicht überdacht und im 3. Stockwerk 28 Bildserien in der Jubiläumsausstellung »Der zweite Blick – Jubiläumsausstellung Europäischer Architekturfotografiepreis« platziert. Für die komplette Übersicht liegen zudem die Kataloge der vergangenen Jahre aus.
Angesichts von mal zarten poetischen, mal melancholisch besinnlichen, mal neonfarben frechen und mal politischen Fotos, trainiert der Betrachter sein Bild-Gedächtnis für die Serien der vergangenen neun Ausstellungen bzw. Kataloge des Architekturfotografie- Preises. Architekten und Ingenieure haben im Laufe der Jahre als private Förderer im Katalog treffsichere Testimonials zur Architekturfotografie abgegeben. So z. B. Günter Hermann: »Fotografie ist das Architektengedächtnis« oder Michael Schumacher und Till Schneider: »Gebäude gehen, Fotos bleiben«.
Bis zum 16. Juni zeigt eine zweite Ausstellung im EG des DAM die Preisträger, Auszeichnungen und Anerkennungen des diesjährigen Preises zum Thema »Im Brennpunkt«, die zugleich im aktuellen Katalog dokumentiert sind. Diese Ausstellung geht danach auf Reisen, wobei das Interesse mehrerer Goethe-Institute die Internationalisierung des Preises noch vorantreiben soll. Für das DAM und die Ausstellungsbesucher ein Gewinn – wie die ins Archiv übernommenen 1 100 Fotos von rund 250 Fotografen.
Bis 28. Juli. DAM, Schaumainkai 43, Di-Sa 11-18, Mi bis 20, So 11-19 Uhr, dt./engl. Katalog »Im Brennpunkt«, avedition Verlag 2013, 24,80 Euro. www.dam-online.de