Architektur + Sport (München)

Italien ist Weltmeister. Goleo, Fähnchen und Schminkset sind im Schrank verstaut. Die Luft ist raus. Was auf die Fußball-WM zutreffen mag, muss nicht zwingend auch für deren »kulturelles Begleitprogramm« gelten. Als solches war die Ausstellung mit dem Untertitel: »Vom antiken Stadion zur modernen Arena« zwar ursprünglich konzipiert – nie aber als vordergründige Pflichtveranstaltung. Und so zeigt die Präsentation eine wirklich sehenswerte Sammlung von Gemälden, Zeichnungen, Modellen und Fotografien herausragender Sportbauten seit den Laufbahnen von Delphi. Der Bogen wird dabei weit gespannt, vom Circus Maximus in Rom, über die im 15. Jahrhundert vermehrt entstandenen Ballhäuser, bis hin zu Souto de Mouras wunderbarem Stadion in Braga oder Zaha Hadids Entwurf für das olympische Aquatic Centre in London.

Gleichzeitig setzt sich diese Schau aber auch mit der gesellschaftlichen Bedeutung solcher Bauwerke auseinander. Insbesondere große Stadien waren nämlich seit jeher keineswegs nur Kultstätten naiver Heldenverehrung, funkelnde Architektur-Ikonen oder konstruktiv-technische Experimentierfelder. Wiederholt wurden diese darüber hinaus für national-repräsentative und repressive Zwecke missbraucht. Noch heute werden in Stadien Gefangenenlager aufgeschlagen, Schauprozesse inszeniert und Delinquenten hingerichtet.
Neben dem für München obligatorischen Modell der Allianz-Arena zeigt die Ausstellung damit ein überaus vielfältiges Bild zur Historie unterschiedlichster Sportbauten. Sehr empfehlenswert ist auch der mit ausladenden Essays und zahllosen Bildern – als vertiefende Ergänzung – angelegte Katalog. Roland Pawlitschko
Bis 3. September. Pinakothek der Moderne, Barer Str. 40, Di+Mi, Sa+So 10–17 Uhr, Do+Fr 10–20 Uhr, Katalog 20 Euro, www.pinakothek-der-moderne.de