Archigram (London)

Ungebrochen bleibt der Reiz, das bilderreiche Oeuvre der britischen Architekturgruppe immer mal wieder zu zeigen. Dabei werden die Arbeiten aus den Jahren zwischen 1961 und 1975 in lose Verbindung mit jenen gebracht, die ehemalige Mitglieder in jüngerer Zeit verwirklichen konnten. Das Londoner Design Museum beginnt mit einer Nachstelllung des Archigram Büros in Covent Garden, bevor in grell-farbig getünchten Räumen die darin entwickelten konzeptuellen Vorstellungen präsentiert werden. Ihre Mitglieder Warren Chalk († 1987), Peter Cook, Dennis Compton, David Greene, Ron Herron († 1994) und Mike Webb feierten modische Schnelllebigkeit – was für alltägliche Dingen gelte, müsse ebenso für die Architektur möglich sein. Eine provokante Haltung, die sich gegen die starren Formen und Regeln von Architektur als Prinzip wendet und mit massenmedialen Mitteln publiziert wurde: anfänglich als gleichnamige Zeitschrift, später auch in TV Sendungen. Befahrbare Wohneinheiten und wandernde Städte: die Welt als Stecksystem. Da klingen Buckminster Fullers Ideen mit, ohne dessen soziale Anliegen zu übernehmen. Archi-gram sind ein eher hedonistisches Pendant, das sich exzessiv in oft humorvollen Zeichnungen, Collagen und Diaprojektionen auslebt. Zugleich nahmen sie die Aufweichung der festen städtischen Strukturen vorweg, die heute mit elektronischen Medien Realität werden. Diskurs, Experiment und Lebensfreude waren zentrale Anliegen anstelle einer direkten baulichen Umsetzung. Die kamen erst in Folge: zuletzt hat Peter Cook der Stadt Graz ihr Kunsthaus beschert – eine wenigstens formale Materialisierung von Archigrams gedankenspielerischen Zeichnungen. Jörn Ebner

Bis 4. Juli im Design Museum, London; Mo – So 10 –17.45 Uhr, www.designmuseum.org