bis 1. März

Alvar Aalto (Weil am Rhein)

~Ulrike Kunkel

Bei Alvar Aalto (1898-1976) denkt man sogleich an geschwungene Linien und gerun-dete, organische Formen und führt diese dann wie selbstverständlich auf seine Herkunft aus dem landschaftlich geprägten Finnland zurück. Doch das ist ein wenig kurz gefasst, wie die derzeitige Ausstellung am Vitra Design Museum durchaus plausibel beweist: Sie erläutert und veranschaulicht, dass sich Aaltos Entwurfshaltung und Formensprache v. a. auch in Auseinandersetzung mit der Kunst der klassischen Moderne entwickelt hat. Besondere Vorbilder waren für ihn dabei Hans Arp und Alexander Calder, von denen Referenzwerke in der Schau zu sehen sind.
In den späten 20er und frühen 30er Jahren orientierte sich Aalto bei seinen Entwürfen zunächst am sogenannten nordischen Klassizismus, der weitgehend von den Sakralbauten der italienischen Renaissance beeinflusst war; in der kühlen Formensprache seiner Bibliothek von Vyborg (1927-35) und besonders des Tuberkulosesanatoriums von Paimio (1928-33) zeigt sich aber bereits der Einfluss der Moderne: seine stark geometrischen Bauten weisen durchaus einen Hauch ins Organische auf.
Als eine Art Prototyp für Aaltos Ideen vom Bauen kann sicher der finnische Pavillon für die Weltausstellung 1937 gelten – auch hier finden sich die wellenförmig geschwungenen, riesigen Innenwände, die das Markenzeichen des posthum realisierten Aalto-Theaters in Essen sind.
Das Vitra Design Museum stellt Aaltos Leben und Werk in der Ausstellung »Alvar Aalto – Second Nature« anhand einer Vielzahl von Möbeln, Design-Objekten, Gemälden, Modellen, Skizzen (ausschließlich Originale!) und sogar einer Materialbibliothek mit keramischen Fassadenelementen und gerundeten Backsteinen nicht nur anschaulich dar, sondern ordnet es ein und ermöglicht dem Besucher neue Perspektiven darauf. Zu verdanken ist das der sorgsamen und intelligenten Arbeit des Kurators Jochen Eisenbrand, der gekonnten Ausstellungsgestaltung durch Kuehn Malvezzi aus Berlin sowie den sachlich inszenierten Fotos, die der Fotograf Armin Linke vom heutigen Zustand der Aalto-Bauten gemacht hat.
Bis 1. März 2015. Alvar Aalto – Second Nature. Vitra Design Museum, Charles-Eames-Str. 2, 79576 Weil am Rhein, tägl. 10-18 Uhr, www.design-museum.de