A Royal Exhibition (Rotterdam)

Für Michel de Klerk, Architekt der Amsterdamer Schule, war die Baukunstausstellung, die 1923 zu Ehren des 25jährigen Thronjubiläums von Königin Wilhelmina veranstaltet wurde, eine »Feier für Bauern und Städter in einer Zeit der Trunkenheit und Polkatanzerei«. Architektur war damals Sache der Elite und eines kleinen Kreises bierernster Fachleute. Deshalb – und wohl auch aufgrund von Ressentiments gegenüber der Monarchie – verweigerten einige Architekten ihre Mitarbeit. Trotzdem konnte Initiator de Bazel eine repräsentative Schau mit Arbeiten von Stars wie Berlage, Dudok und Cuypers zusammenstellen. Die Ausstellung fand in einem Amsterdamer Bürobau statt und wurde danach im Rijksmuseum eingemottet. Jahrzehnte später sollte sie zum Grundstein der Sammlung des Niederländischen Architekturinstituts werden.

Anlässlich des 25jährigen Thronjubiläums von Wilhelminas Enkelin Beatrix hat das NAi die Ausstellung nun teilweise rekonstruiert und um je eine Einsendung von vierzig zeitgenössischen Architekten ergänzt, die die Baukultur seit Beatrix‘ Thronbesteigung dokumentieren sollen. Ebenso wie in der ursprünglichen Ausstellung alle aktuellen Stile von der Amsterdamer Schule über die Neorenaissance bis hin zum Art Deco vertreten waren, sind nun Superdutch, Neotraditionalismus, Hightech und organische Architektur präsent. Wiel Arets zeigt die Unibibliothek Utrecht, Pi de Bruijn die Zweite Kammer in Den Haag, NL Architects eine Vase und OMA das Nederlands Danstheater. So entsteht ein Bild der niederländischen Baukultur in zwei außergewöhnlich produktiven Vierteljahrhunderten – dazwischen werden jedoch weder Verbindungen aufgezeigt noch ein Bogen gespannt. Anneke Bokern
Bis 23. Oktober, Nederlands Architectuur Instituut, NAi, Museumpark 25, Di – Sa 10 – 17 Uhr, So 11 – 17 Uhr, www.nai.nl